Kartellvorwürfe gegen Siemens in Brasilien

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Siemens zählt weltweit zu den größten Unternehmen der Elektrotechnik und Elektronik
Siemens zählt weltweit zu den größten Unternehmen der Elektrotechnik und Elektronik

Brasilia. Der deutsche Elektrokonzern Siemens steht aufgrund von Absprachen beim Bau und der Wartung von U-Bahnen und Zügen in Brasilien im Verdacht der Kartellbildung. Wie die Tageszeitung Folha de São Paulo berichtet hat das Unternehmen bei der Wettbewerbsbehörde Cade Selbstanzeige erstattet. Im Gegenzug unterschrieb Siemens eine sogenannte Kronzeugenregelung, welche dem Unternehmen im Falle einer Bestätigung des Verdachts, Immunität gewähren könnte.

An dem Kartell sollen neben Siemens noch die Konzerne Alstom aus Frankreich, Bombardier aus Kanada, CAF aus Spanien und Mitsui aus Japan beteiligt gewesen sein. Bei mindestens sechs Bewerbungen zu Ausschreibungen von U-Bahn- und Zugprojekten in São Paulo und Brasília soll es zu Angebots- und Preisabsprachen gekommen sein. Laut Medienberichten führten diese zu Verträgen mit bis zu 20 Prozent höheren Angeboten. Die wirkliche Tragweite und Dauer sowie der verursachte Schaden der Kartellabsprachen kann bislang nicht abgeschätzt werden.

Die Ermittlungen der Kartellbildung kommen für die betroffenen Unternehmen zu einem denkbaren ungünstigen Zeitpunkt, da alle involvierten Konzerne derzeit um den Zuschlag für ein Milliarden-Projekt eines Hochgeschwindigkeitszuges zwischen São Paulo und Rio de Janeiro konkurrieren.

In einer Stellungnahme kündigte Siemens zwar an, in vollem Umfang mit den brasilianischen Behörden zu kooperieren, jedoch kann die Erklärung des Unternehmens, aufgrund von anhaltenden Verstößen und illegalen Praktiken als Lippenbekenntnis betrachtet werden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatte das Unternehmen bereits im Jahre 2008 "sehr konkrete Hinweise auf schmutzige Machenschaften in São Paulo bekommen". Auch in anderen Ländern stand Siemens wegen Bestechung und illegalen Absprachen in den vergangenen Jahren wiederholt im Fokus der Kritik.

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