CARICOM fordert Entschädigung für Völkermord und Sklaverei

caricom.jpeg

Fahne der Karibikgemeinschaft CARICOM
Fahne der Karibikgemeinschaft CARICOM

Georgetown, Guayana. Die karibische Regionalorganisation CARICOM wird von den Regierungen Großbritanniens, Spaniens, Frankreichs, Portugals und der Niederlande eine angemessene Entschädigung für die Sklaverei und den Völkermord an den Indigenen fordern.

Die CARICOM baue jetzt Entschädigungskommissionen in allen 15 Mitgliedsländern auf, sagte der Ministerpräsident von St.Vincent und den Grenadinen, Ralph Gonsalves. "Das Erbe des Völkermords an den Eingeborenen und die Versklavung der Afrikaner sind die Hauptursachen der endemischen Armut und des Mangels an Entwicklung, die den größten Teil der Region prägen", erläuterte Gonsalves. Jede Vereinbarung müsse eine förmliche Entschuldigung beinhalten. Dazu müsse eine angemessene Entschädigung erfolgen.

Die Historikerin Verene Shepherd, Vorsitzende der Kommission für Wiedergutmachung von Jamaika, erklärte, dass "wir über Reparationen im Zusammenhang mit der Entwicklung diskutieren“. Falls notwendig, werde CARICOM beim Internationalen Gerichtshof klagen. Es gehe nicht um Geld, so Shepherd, "sondern um die Vereinbarung von Kompensationsmechanismen, die zur Entwicklung der Kläger-Staaten beitragen."

"Zunächst einmal wollen wir, dass Europa sich entschuldigt, denn bis jetzt haben sie nur ihr Bedauern geäußert, aber kein Land hat sich entschuldigt. Dann wollen wir die Infrastrukturen entwickeln: Schulen, Gesundheitszentren, Straßen, Krankenhäuser. Und wir wollen, dass Schluss ist mit dem Rassismus", sagte die Historikerin.

Juristisch vertreten wird die CARICOM von der renommierten britischen Anwaltskanzlei Leigh Day & Co., die auf Menschenrechte spezialisiert ist. Im vergangenen Juni hat Leigh Day & Co einen Sieg in einem ähnlich gelagerten Fall errungen: Großbritannien musste eingestehen, mehr als fünftausend Rebellen der kenianischen Mau-Mau-Guerilla zwischen 1952 und 1960 gefoltert zu haben. Die Opfer und ihre Hinterbliebenen bekamen eine Entschädigung von rund 30 Millionen US-Dollar zugesprochen.

In der ersten Septemberwoche wird CARICOM eine Sitzung in St. Vincent und den Grenadinen abhalten, in der einige der Ministerpräsidenten der Organisation mit Anwälten und Spezialisten in Wirtschaftsgeschichte das weitere Vorgehen diskutieren werden.

Schätzungen zufolge wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert mindestens zwölf Millionen Afrikaner an der westlichen Küste ihres Kontinents entführt und auf europäischen Sklavenschiffen in die amerikanischen Kolonien transportiert. Nicht alle überlebten den Transport und diejenigen, die am Leben blieben, wurden gezwungen, unter Bedingungen der Sklaverei auf den Plantagen der Imperien von Spanien, England, Holland, Frankreich und Portugal zu arbeiten.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr