El Salvador / Soziales

Schere zwischen Reich und Arm in El Salvador öffnet sich weiter

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Armenviertel in San Salvador
Armenviertel in San Salvador

San Salvador. In ihrem neuesten Jahresbericht über die Reichsten dieser Welt hat die internationale Vermögensberaterbank Wealth-X festgestellt, dass alleine in El Salvador 150 Superreiche leben, deren Vermögen sich zusammengenommen auf etwa 20 Milliarden US-Dollar beläuft. Jede dieser Personen hat damit durchschnittlich 133,4 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Dies ist in etwa das Vierfache des Staatshaushaltes von El Salvador für 2013 und könnte die Schulden des Landes bis zum Juli 2013 bei einem Restbetrag komplett begleichen.

Wealth-X hat im Jahr 2011 zum ersten Mal eine Aufstellung der Superreichen in El Salvador mit mehr als 30 Millionen US-Dollar Privatvermögen publiziert. Beim Vergleich der Zahlen für El Salvador von 2012 und 2013 fällt auf, dass die Zahl der Superreichen um 3,4 Prozent zugenommen hat (von 145 auf 150 Personen), während ihr Gesamtvermögen gleich blieb.

Im krassen Gegensatz dazu leben nach Angaben des Welternährungsprogramms 40,6 Prozent der Haushalte in Armut, 12,2 Prozent davon sogar in extremer Armut – mit einem Einkommen von weniger als einem US-Dollar pro Tag und Person – wobei die Landbevölkerung im Durchschnitt deutlich ärmer ist als die Stadtbevölkerung. Nicht umsonst ist die Landflucht in El Salvador so groß wie in kaum einem anderen Land. Vor 50 Jahren lebten noch rund 61,5 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, heute sind es noch 36,8 Prozent.

Die Gründe für die Landflucht sind vielfältig: Während des Bürgerkrieges (1980-1992) war gerade die Landbevölkerung den Übergriffen des Militärs, der Sicherheitskräfte und der Todesschwadronen besonders ausgeliefert; die Bodenerosion ist sehr hoch, weil seit den sechziger Jahren rund 85 Prozent des Waldes gerodet worden war; dazu kommen Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung durch transnationale Unternehmen, fehlende Landbesitztitel und fehlende Infrastruktur, die vor allem junge Menschen dazu veranlassen, ihr Glück in der Stadt zu suchen.

In einer Erklärung zum Unabhängigkeitstag am 15. September 2013 hat der derzeitige Präsident Mauricio Funes eine Gesetzesinitiative angekündigt, um einige Sozialprogramme zu verankern, die einem Anstieg der Armut in jüngerer Zeit entgegenwirken sollen. In El Salvador wird im März 2014 ein neuer Präsident gewählt. Der Wahlkampf hat inoffiziell anscheinend schon begonnen.

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