El Salvador wird Beobachter in der Pazifik-Allianz

Präsident Funes hofft auf Diversifizierung der Exporte. USA bekunden ebenfalls Interesse an Beitritt in die Allianz

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Die Präsidenten Chiles, Sebastián Piñera und El Salvadors, Mauricio Funes, nach der Unterzeichnung des Abkommens
Die Präsidenten Chiles, Sebastián Piñera und El Salvadors, Mauricio Funes, nach der Unterzeichnung des Abkommens

San Salvador. El Salvador wird assoziiertes Mitglied der Pazifik-Allianz und erhält damit den Beobachterstatus. Eine entsprechende Vereinbarung

unterzeichnete der Präsident des mittelamerikanischen Landes, Mauricio Funes, in der vergangenen Woche während des Besuches seines chilenischen Amtskollegen Sebastián Piñera in San Salvador.

Gegenüber Medienvertretern betonte Funes, die Beteiligung an der Allianz ermögliche dem Land, die Handelsbeziehungen und die Zusammenarbeit mit denjenigen Ländern zu stärken, mit denen bereits Freihandelsabkommen bestehen. Dies würde eine Diversifizierung der Exporte ermöglichen, so Funes. Derzeit gehen rund 50 Prozent der Exporte El Salvadors in die USA.

Nach der Unterzeichnung des Assoziations-Abkommens gaben die Präsidenten noch eine gemeinsame Erklärung ab, in der eine Erweiterung der Zusammenarbeit beider Ländern auf die Bereiche Sicherheit, Bildung, Wissenschaft und Technologie-Entwicklung angekündigt wird.

"Beide Dokumente bekräftigen den Willen der beiden Völker und Regierungen, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um Armut und soziale Ungleichheit zu bekämpfen" sowie "die Beziehungen auf der Basis eines wettbewerbsfähigen Entwicklungspotenzials zu stärken" sagte der Präsident von El Salvador. Er sei sehr dankbar für die Aufnahme als Beobachter in die Pazifik-Allianz.

Chiles Präsident Piñera hob hervor, dass der Beitritt El Salvadors für alle Seiten von Vorteil sei, da das Land "Küsten zum Pazifik" besitze und Freihandelsabkommen mit drei der vier Mitglieder dieses Bündnisses abgeschlossen habe. "Daher ergreifen wir die Möglichkeit zusammenzuarbeiten mit viel Hoffnung", so Piñera.

Beim Gipfeltreffen im Mai im kolumbianischen Cali wurde Costa Rica neben Kolumbien, Chile, Peru und Mexiko als neues Vollmitglied und Paraguay als neues assoziiertes Mitglied in die Allianz aufgenommen. Mit einer baldigen Aufnahme Panamas als Vollmitglied wird gerechnet. Das Treffen in Cali wurde von 400 Unternehmern aus 14 Ländern begleitet, darunter die 50 größten Unternehmen Lateinamerikas.

Der Beitritt El Salvadors zur Pazifik-Allianz löste im Land selbst unterschiedliche Reaktionen aus. So kommentierte das größte Nachrichtenportal elsalvador.com lobend, mit diesem Schritt habe El Salvador sich vom linksgerichteten ALBA-Bündnis entfernt und sich für einen Block entschieden, in dem alle Mitglieder Freihandelsabkommen mit den USA haben. Darüber hinaus vereine die Allianz Länder "deren Regierungen den Kapitalismus als ökonomisches Modell und die repräsentative Demokratie als politisches Modell teilen". Dagegen kritisierte der Kolumnist Roberto Pineda von Voces, einer linksgerichteten digitalen Tageszeitung aus El Salvador, die in der Pazifik-Allianz vorgeschlagene Lösung, wie Fortschritt und Wohlstand zu erreichen seien, käme der "Auslieferung des Landes an die transnationalen Konzerne" gleich.

Die kolumbianische Tageszeitung El Universal berichtet, dass US-Vizepräsident Joe Biden bei seiner Zusammenkunft mit Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos Ende Mai das Interesse der US-Regierung an der Pazifik-Allianz bekräftigt hat. Biden habe ihm gegenüber den Wunsch der USA geäußert, Beobachter in der Allianz zu sein und Kolumbien unterstütze dieses Ersuchen, sagte Santos gegenüber Medienvertretern. "Wir werden das den anderen Ländern beim demnächst stattfindenden Ministerratstreffen vorschlagen", sagte Santos. Der peruanische Präsident Ollanta Humala hat bereits sein Einverständnis mit der Aufnahme der USA in die Allianz erklärt.

Die Pazifik-Allianz sei, so El Universal, "eines der wichtigsten Highlights für die Wirtschaft in diesem Jahr. Der Markt, den die vier Länder (Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru) bewegen, bildet die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das ist der Grund, warum mehrere Länder dieser Initiative beitreten wollen."

Unterdessen sagte die US-Botschafterin in Uruguay, Julissa Reynoso, ihr Land wünsche auch den Beitritt Uruguays in die Allianz. Dies werde ein Thema beim geplanten Besuch des Präsidenten von Uruguay, José Mujica in Washington sein. "Es wäre gut, wenn Uruguay sich dem neuen Integrations-Modell anschließt, das die USA fördern", sagte Reynoso. Sie fügte hinzu, die USA hätten "eine neue Strategie des freien Handels und begreifen Uruguay aus politischer Sicht als einen führenden Partner".

US-Präsident Obama hatte gegenüber seinem chilenischen Amtskollegen Sebastián Piñera bei dessen Besuch in Washington ebenfalls das Interesse der USA an der Pazifik-Allianz betont. Darüber hinaus waren sich beide einig, dass es langfristig notwendig sei die "Trans-Pacific Partnership" (TPP) zu fördern, eine Initiative, die, wenn sie umgesetzt wird, "sich zur größten Freihandelszone der Welt entwickeln würde". Dies berichtete die spanische Tageszeitung El País.

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