Erneut Bauernaktivist in Venezuela ermordet

Bereits das zwölfte Mordopfer im Grenzgebiet zu Kolumbien in diesem Jahr. Menschenrechtsgruppe macht paramilitärische Banden verantwortlich

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Werden immer wieder bedroht: Angehörige der Kommune El Maizal im Bundesstaat Lara, in der rund 1.500 Familien organisiert sind
Werden immer wieder bedroht: Angehörige der Kommune El Maizal im Bundesstaat Lara, in der rund 1.500 Familien organisiert sind

Cerro Negro, Venezuela. Der 24-jährige Bauernaktivist José Alberto Pérez Mendoza ist in der Nacht des 30. September auf dem Weg in seine Gemeinde

Opfer eines tödlichen Angriffs geworden. Die "Vereinigung für die Menschenrechte der Bauern" (APDHC) macht eine Bande um einen bekannten Verbrecher alias El Fernandito für den Mord verantwortlich. Der berüchtigte Kopf der Bande wird des organisierten Verbrechens in den Bundesstaaten Lara und Portuguesa sowie der Verbindung zu Paramilitärs beschuldigt.

Nur 15 Tage zuvor war in der Kommune El Maizal bereits der zwanzigjährige Bauer José Silvestre Pérez ermordet worden. Mendozas Tod reiht sich in eine Liste von zwölf Todesopfern im Jahr 2013 ein, für die Banden in der Grenzregion zu Kolumbien verantwortlich gemacht werden.

Das Motiv für den Mord an Mendoza war vermutlich politisch. Der Bundesstaat Lara gehört zu den wichtigsten Agrarwirtschaftszonen Venezuelas. Die Landkonflikte zwischen Bauern und Großgrundbesitzern sind dort sehr heftig, seit das 2001 vom damaligen Präsidenten Hugo Chávez erlassene Landgesetz der Regierung erlaubt, unbewirtschaftete Landflächen zu enteignen und an Landlose zu vergeben. Die enteigneten Großgrundbesitzer werden beschuldigt, als Reaktion auf die Enteignungen bewaffnete Banden und Paramilitärs anzuheuern und Gemeinden so zu zwingen, ihr Land wieder aufzugeben. Nach inoffiziellen Zahlen sind seit Beginn der Konflikte im Jahr 2001 rund 300 Bauern ermordet worden.

Die Region gilt darüber hinaus mit mehr als 20 Kommunen als weit fortgeschritten in der kommunalen Organisation und Produktion. Als Kommune wird in Venezuela der Zusammenschluss mehrerer basisdemokratischer Nachbarschaftsräte bezeichnet, die sich zu einer regionalen Einheit verbinden. Sie können eigene Rechts- und Wirtschaftsformen entwickeln. Mendoza war politisch aktiv, was ihn höchstwahrscheinlich zur Zielscheibe für den Mordanschlag werden ließ.

Die Siedler der betroffenen Regionen in den Bundesstaaten Lara und Portuguesa riefen die Regierung angesichts der jüngsten Ereignisse dazu auf, dem Terror mit Autorität zu begegnen und erinnerten an die vielen Toten, die den Landkonflikten bereits zum Opfer gefallen sind. Die APDHC machte auf den fortgeschrittenen Verlust der staatlichen Souveränität in der Region aufmerksam und verwies auf die alarmierenden Anzeichen des wachsenden Paramilitarismus. Die urbane und ländliche Bevölkerung seien dem anhaltenden Terror von Mord, Entführungen, Raub, Erntediebstahl und Drogenhandel ausgeliefert.

Die westlich an Kolumbien grenzenden Staaten Venezuelas kämpfen seit langem mit Verbrechen, die in Verbindung mit paramilitärischen Gruppen stehen. Erst vor zwei Monaten hatte der amtierende venezolanische Präsident Nicolás Maduro erneute Anstrengungen gegen die aus Kolumbien einsickernden Paramilitärs angekündigt.

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