Brasilien / Soziales

Proteste nach Polizeigewalt in Rio de Janeiro

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Proteste in Rio nach dem Tod von Claudia Silva Ferreira
Proteste in Rio nach dem Tod von Claudia Silva Ferreira

Rio de Janeiro. In der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro sorgt der Tod von Claudia Silva Ferreira für Empörung. Die 38-jährige war am Sonntag im Norden der Stadt durch drei von Polizisten abgefeuerte Schüsse schwer verletzt worden und danach in den Kofferraum eines Polizeiautos gelegt worden. Auf dem Weg ins Krankenhaus öffnete sich der Kofferraum, die verletzte Frau fiel aus dem Auto und wurde durch ein verfangenes Kleidungsstück 350 Meter über den Asphalt gezerrt. Ein Video zeigt den Vorfall.

Am Dienstag wurden zwei der drei beteiligten Polizeibeamten verhaftet. Laut deren Anwalt Marcos Espínola handelte es sich um einen "Unfall". Die Polizei hatte in der Favela Morro da Congonha einen Einsatz gegen Drogenhändler durchgeführt. Anwohner bestreiten die Aussage, dass Claudia in den Drogenhandel verwickelt war: "Die Polizei sagte, sie wäre Drogendealerin und bewaffnet gewesen. Ihre Waffen waren drei Geldscheine und ein Becher mit Kaffee. Sie war dort, um Brot für ihre Kinder zu kaufen" erklärte Júlio César Silva, der Bruder des Opfers.

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Experten kritisieren, dass die Polizeibeamten die Schwerverletzte nicht im Kofferraum hätten transportieren dürfen und auf den Krankenwagen hätten warten müssen. "Sie haben meine Mutter wie ein Tier in das Auto geworfen" sagte die Tochter Thaís Lima.

Nach der Beerdigung von Claudia Silva Ferreira kam es zu wütenden Protesten von Anwohnern. Am Mittwoch trafen sich Familienangehörige mit dem Gouverneur des Bundesstaates von Rio de Janeiro, Sérgio Cabral. Dieser entschuldigte sich für den Tod Claudias und versprach eine schnelle Aufklärung des Falls. Im Interview übt Witwer Alexandre Fernandes da Silva scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei: "Es reicht. Die Polizei muss aufhören in unsere Viertel zu kommen, zu schießen, Bewohner töten und danach im Polizeibericht schreiben, dass es ein Unfall war".

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