Experte: Neues Wechselkurssystem in Venezuela soll Wirtschaft stabilisieren

Caracas. Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Mark Weisbrot hat unlängst auf die Wirkung des neu eingeführten Wechselkurssystems in Venezuela hingewiesen. Der Schwarzmarktwert des US-Dollar sei innerhalb der vergangenen drei Wochen um ein Drittel abgefallen. Weisbrot, Co-Direktor des Center for Economic and Policy Research (CEPR) in Washington D.C., bezeichnet dies als "wichtige Nachricht für die Zukunft Venezuelas". Durch das neue Wechselkurssystem SICAD 2 (Sistema Cambiario Alternativo de Divisas) können Venezolaner US-Dollar legal bei verschiedenen Anbietern zu erwerben, einschließlich privater Zwischenhändler und Banken.

In einem Beitrag für Brasiliens größte Tageszeitung Folha de Sao Paulo hatte Weisbrot im November vergangenen Jahres den Preis des Schwarzmarktdollars als "Spekulationsblase" bezeichnet, welche die Regierung jederzeit platzen lassen könnte. Einige Leute hätten US-Dollars gekauft, weil sie davon ausgingen, dass er gegenüber dem venezolanischen Bolivar (BsF) weiter unbegrenzt steigen würde. In vielen Medien habe es die Prognosen gegeben, dass Venezuela auf eine Hyperinflation zusteuere und die inländische Währung dadurch weiter an Wert verlieren werde, bis sie kollabiere.

Damals lag der Dollar bei ungefähr 60 BsF und stieg weiter auf 90 – und ist nun auf leicht über 50 gefallen. Nach Einschätzung von Weisbrot werde sich dieser Trend fortsetzen, da das SICAD-2-System Dollar bereitstellt, die zuvor auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden. Dies habe wiederum unmittelbar Auswirkungen auf die Inflation: Wenn der Schwarzmarktdollar fällt, sinkt die Inflation. Dies sei der Hauptzusammenhang des starken Anstiegs der Inflation seit Oktober 2012 gewesen (siehe Grafik). Gewisse Erleichterungen bei Warenengpässen werde es ebenso geben, da es für Importeure leichter wird, an Devisen zu kommen. Nachdem das staatliche Erdölunternehmen PDVSA ebenfalls Dollar auf diesem Markt verkaufen kann, sollte sich das Haushaltsdefizit der Regierung verkleinern.

Es gebe noch zahlreiche andere wirtschaftliche Probleme, so Weisbrot. Dazu gehöre unter anderem der Raub von Milliarden Dollar in Fremdwährung zum offiziellen Kurs mit Hilfe der Errichtung von Scheinfirmen und der Schmuggel von subventionierten Lebensmitteln und Benzin über die kolumbianische Grenze. Das Wechselkurssystem sei jedoch das zentrale wirtschaftliche Ungleichgewicht gewesen, und wenn SICAD 2 wie geplant funktioniere, wäre damit ein langfristiger Weg in Richtung einer Lösung von Venezuelas gegenwärtigen wirtschaftlichen Problemen eingeschlagen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr