Massiver Polizeiangriff auf Migranten in Mexiko

273 Migranten und Menschenrechtsverteidiger von Sicherheitskräften attackiert. Unter den Opfern auch Träger des Gilberto-Bosques-Menschenrechtspreises

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"Kreuzzug" der Migranten durch Mexiko
"Kreuzzug" der Migranten durch Mexiko

Mexiko-Stadt/Tenosique. Am 30. April ist es im Bundesstaat Tabasco, zwischen den Ortschaften Tenosique und Emiliano Zapata, zu einem massiven Angriff
staatlicher

Sicherheitskräfte auf eine Karawane von 270 Migranten und drei Menschenrechtsverteidigern der Herberge La 72 gekommen. Während die Mehrzahl der Migranten verhaftet wurde – eine kleine Zahl konnte sich in die umliegenden Berge retten – wurden die Menschenrechtsverteidiger tätlich angegriffen und verletzt. Unter ihnen befand sich Fray Tomás González Castillo, dem am 25. September vorigen Jahres von der deutschen und französischen Botschaft der Gilberto-Bosques-Menschenrechtspreis verliehen wurden war. An dem Überfall waren laut Rubén Figueroa, Vertreter der "Bewegung mittelamerikanischer Migranten" (Movimiento Migrante Mesoaméricano), der selbst von 10 Polizisten verprügelt wurde, sowohl föderale und bundesstaatliche Sicherheitskräfte als auch Gemeindepolizisten beteiligt.

Die Karawanen wurden notwendig, da seit dem 17. April das Zugpersonal von dem als "La Bestia" bekannten Güterzug, der Mexiko von Süden nach Norden durchquert, Migranten verweigert, dort mit zu reisen. Die Verweigerung steht im Zusammenhang mit der öffentlichen Anschuldigung, das Zugpersonal arbeite mit den Kartellen der organisierten Kriminalität zusammen. Der Zug wurde seit vielen Jahren vor allem von mittelamerikanischen Migranten auf ihrem Weg in die USA genutzt.

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Seitdem bewegen sich Migranten, die sich in mehreren Karawanen zusammengeschlossen haben, in Fußmärschen nach Norden. Der ersten dieser Karawanen, die in den mexikanischen Medien als "Kreuzzug der Migranten" kolportiert wurde, war es gelungen eine 30-tägige Genehmigung zur freien Durchreise zu erhalten – eine zentrale Forderung der Migrantenorganisationen. Während diese Karawane, die zeitweise 800 Personen umfasste, es schaffte, die Stadt Monterrey im Norden ohne Zwischenfälle zu erreichen, sind einzeln reisende Migranten häufig Opfer von Missbrauch und Überfällen.

Migrantenkarawanen sind in Mexiko keine völlig neue Erscheinung, wobei sie in früheren Jahren jedoch weniger der Not gehorchten, sondern in erster Linie politische Manifestationen darstellten. So löste die Karawane "Schritt für Schritt zum Frieden", die im Februar 2010 durch Mexiko zog, die Diskussion über ein nationales Gesetz zum Schutz von Migranten aus, allerdings ohne sichtbaren Erfolg. Im Oktober 2011 berichtete eine zivile Beobachtermission ausführlich über die Situation der Migrantinnen und Migranten in Mexiko.

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