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28.06.2014 Mexiko / Medien / Menschenrechte / Politik

Über 100 ermordete Journalisten in Mexiko innerhalb von 14 Jahren

Protestaktion von Fotoreportern in Veracruz

Protestaktion von Fotoreportern in Veracruz

Mexiko-Stadt. Nach Angaben der Sonder-Staatsanwaltschaft für die Ermittlung von Straftaten gegen die Meinungsfreiheit (Fiscalía Especial para la Atención de Delitos cometidos contra la Libertad de Expresión) sind in den vergangenen 14 Jahren in Mexiko 102 Journalisten ermordet worden.

Unter der Regierung von Vicente Fox (2000-2006) von der Partei der Nationalen Aktion (PAN) sind demnach 21 Journalisten umgebracht worden. Unter der Regierung von Felipe Calderón 2006-2012 (PAN) waren es 71 und während der aktuellen Präsidentschaft von Enrique Pena Nieto von der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) zehn Pressevertreter. Weitere 22 Journalisten gelten als verschwunden. Damit ist Mexiko für die Berichterstatter das gefährlichste Land für Journalisten in Lateinamerika.

Chihuahua steht mit 16 ermordeten Journalisten an erster Stelle der Bundesländer, gefolgt von Veracruz (15), Tamaulipas (13), Guerrero (elf) und Sinaloa (sieben).

Zudem wurden weitere Straftaten gegen Journalisten registriert, wie Drohung, Einschüchterung, Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachschaden.

Alle diese Journalisten berichteten in regionalen und lokalen Medien über Korruptionsfälle und über die organisierte Kriminalität. Die Sonder- Staatsanwaltschaft, die seit 2010 aktiv ist, hat bis heute nur 60 Ermittlungen über mögliche Täter eingeleitet. In 400 Fällen stehen die Ermittlungen noch aus.

Carlos Lauria, Koordinator des Schutzkomitees für Journalisten, kritisiert dieses hohe Maß an Straflosigkeit und warnt vor einer zunehmenden Einschränkung der Pressefreiheit in Mexiko. Damit werde die Demokratie extrem gefährdet, so Lauria.

Die von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen, wie das seit 2013 in Kraft getretene Gesetz zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern und Journalisten (Ley para la Protección de Personas Defensoras de Derechos Humanos y Periodistas) zeigen bislang keine Wirkung, wie der aktuellste Angriff gegen den Journalisten Jorge Torres Palacios in Guerrero zeigt. Er wurde am 2. Juni 2014 tot aufgefunden. Torres arbeitete für das lokale Radio und Fernsehen. Bis zum Zeitpunkt seines Todes berichtete er über die zivilen Proteste in der Region. Er wurde wenige Tage vor seinem Tod von einer bewaffneten Gruppe vor seiner Wohnung entführt.

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