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Krisengipfel von Präsidenten zu Kindermigration

Seit Oktober über 57. 000 minderjährige Auswanderer aus Mittelamerika in den USA. Trend soll gebremst werden
Kinder und Jugendliche aus Guatemala im Greyhound-Busbahnhof in Laredeo, Texas

Kinder und Jugendliche aus Guatemala im Greyhound-Busbahnhof in Laredeo, Texas

Washington. Die Präsidenten von Guatemala, El Salvador und Honduras haben sich mit US-Präsident Barack Obama getroffen, um über die sprunghaft angestiegene Zahl von minderjährigen Migranten aus Mittelamerika in die USA zu sprechen. Gemeinsam wolle man versuchen, die dahinter stehende humanitäre Katastrophe zu bekämpfen, verlautete von Teilnehmerseite.

Bei der Zusammenkunft am 25. Juli wurde die gemeinsame Verantwortung der vier Länder festgestellt und eine verstärkte Zusammenarbeit beschlossen, um die Migration von Kindern und Jugendlichen zu bremsen. So soll unter anderem die Aufklärung über die US-Migrationspolitik in den mittelamerikanischen Ländern verbessert werden, um Fehlinformationen entgegenzuwirken. Außerdem soll stärker gegen das organisierte Verbrechen und die Bandenkriminalität vorgegangen werden. Diese Phänomene werden als zwei der Hauptgründe für die Migration angesehen.

Das Vorgehen der US-Behörden und ihr Umgang mit minderjährigen Migranten ohne gültige Papiere stehen seit geraumer Zeit in der Kritik. Menschenrechtsorganisationen und selbst Staatsbedienstete sowie Regierungsvertreter in den USA sprechen von einer humanitären Krise. Vor allem bei der Unterbringung und der Abschiebung der Minderjährigen herrschen gravierende Missstände.

In einer Erklärung vom 21. Juli kritisierten das Netzwerk der Solidarität mit Honduras – ein Zusammenschluss von 30 Organisationen aus den USA – und Organisationen honduranischer Migranten den Umgang mit minderjährigen Einwanderern. Darin wird betont, dass die Kinder nicht als illegale Einwanderer sondern als Flüchtlinge einzustufen seien. Die Hauptgründe für deren Flucht, die in der ökonomischen Situation und der vorherrschenden Gewalt in den Herkunftsländern liegen, müssten berücksichtigt werden. Auch die Politik der US-Regierung in Mittelamerika sei mitverantwortlich für die Auswanderung. In der Erklärung wird auch die weitere Militarisierung der Grenzen kritisiert. Sie sei der falsche Weg.

Anfang Juli hatte Präsident Obama beim US-Kongress eine Sonderfinanzierung von 3,7 Milliarden US-Dollar beantragt, um auf die dramatische Situation reagieren zu können. Laut dem Netzwerk der Solidarität mit Honduras sind davon zwei Milliarden für die Inhaftierung und die Durchführung von Abschiebungen Minderjähriger vorgesehen.

In den USA werfen Mitglieder der Republikaner Obama Versagen vor. Der texanische Staat gab bekannt, monatlich zwölf Millionen US-Dollar zu zahlen, um 1.000 Angehörige der Nationalgarde zur Grenzsicherung abzustellen.

Seit vergangenem Oktober wurden mehr als 57.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche  an der US-Grenze aufgegriffen. Der Großteil der Kinder kommt aus Guatemala. El Salvador und Honduras. Die Zahl der ausgewanderten Kinder ist im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent angestiegen und könnte sich laut Schätzungen der US-Regierung bis Ende September auf 90.000 belaufen.

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08.07.2014 Nachricht von Kathrin Zeiske