Skandal um Siemens-Geschäftspartner in Mexiko

Bergbauunternehmen Grupo México wird für massive Umweltverschmutzung verantwortlich gemacht

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Von Schwefelsäure rot verfärbt: Der Rio Bacanuchi
Von Schwefelsäure rot verfärbt: Der Rio Bacanuchi

Mexiko-Stadt. In Mexiko haben massive Umweltverschmutzungen durch den Bergbaukonzern Grupo México erneut zu einer Debatte über die Branche geführt. Das größte Bergbauunternehmen Mexikos und der drittgrößte Kupferproduzent der Welt hatte kürzlich eine der größten akuten Umweltkatastrophen des Landes verursacht. Am 6. August war der Damm eines Rückhaltebeckens der Kupfermine Buenavista im Bundesstaat Sonora gebrochen. In Folge des Unfalls ergossen sich rund 40 Millionen Liter giftiger Abwässer in die Flüsse Sonora und Bacanuchi. Seither sind 22.000 Menschen ohne Trinkwasserzugang, die Landwirtschaft der Region ist praktisch zum Erliegen gekommen.

Diese Katastrophe war derart umfangreich, dass sich Schlagzeilen nicht vermeiden ließen. Ungeachtet dessen ließ sich die Regierung drei Wochen Zeit, bis sie mit einigen dürftigen Sanierungsmaßnahmen begann.

Professor Leopoldo Santos Ramírez vom Colegio de Sonora wies darauf hin, dass die Region seit vielen Jahren durch den Bergbaubetrieb verseucht wird. Das habe dazu geführt, dass die Bergarbeitersiedlungen die höchste Rate an Krebserkrankungen in ganz Mexiko aufweise. Hinzu gesellt sich eine ganze Reihe weiterer von der Grupo México zu verantwortender Umweltskandale. Dies bewog den bekannten Bischof Raúl Vera dazu, das Unternehmen als "Serienmörder" zu bezeichnen. Das Bergbauunternehmen genieße im Bundesstaat Sonora seit 20 Jahren Straflosigkeit für die von ihm verursachten Umweltschäden, klagte indes Rafael Galindo Jaime, der Vorsitzende der Bauernorganisation Central Campesina Independiente an. Während die Bergarbeiter das Unternehmen unter anderem mit der Forderung bestreiken, der Betreiberfirma die Lizenz zu entziehen, verwies Wirtschaftsminister Guajardo Villarreal auf die 2.000 Arbeitsplätze. Dies müsse in Betracht gezogen werden, bevor man an Sanktionen denken könne.

Die Grupo México, befindet sich in den Händen des viertreichsten Mexikaners, Germán Larrea Mota Velasco. Von Aktivistenseite wird sie der Beteiligung am "industriellen Genozid" bezichtigt. Grund dafür ist unter anderem ein Grubenunglück in Pasta de Conchos im Jahr 2006.

Dennoch pflegt unter anderem der deutsche Konzern Siemens intensive Geschäftsbeziehungen mit dem Bergbauunternehmen. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2013 verweist Siemens Mesoamérica auf die Lieferung von zwei Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken zur Energieversorgung der Grube Caridad, die sich ebenfalls im Bundesstaat Sonora befindet. Der Vertrag mit einem Umfang von 300 Millionen US-Dollar wurde im Jahr 2011 abgeschlossen. Die Kraftwerke gingen im vorigen Sommer bzw. im Frühjahr dieses Jahres in Betrieb.

Auch die Kupfermine Buenavista wurde von Siemens ausgestattet. Zwei Wochen nach der Buenavista-Katastrophe feierte das energiepolitische Nachrichtenportal PennEnergy Siemens als den globalen Marktführer für umweltfreundliche Technologien.

Die Ankündigung der Grupo México, dass sie bereit sei, mit Fracking zu beginnen, dürfte für den transnationalen deutschen Konzern nicht uninteressant sein. Die globale Antifracking-Bewegung verweist darauf, dass in Mexiko 681 Standorte identifiziert wurden, die für die umstrittene Gasfördermethode interessant sind.

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