Erneut Geheimgräber in Mexiko gefunden

Nach wir vor keine Spur von den 43 Studenten. Guerreros Gouverneur von seinem Posten entfernt. Forderungen nach Rücktritt von Präsident Peña Nieto

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Straßenblockade in Ayotzinapa, Guerrero. Studenten tragen Fotos ihrer 43 verschwundenen Kommilitonen
Straßenblockade in Ayotzinapa, Guerrero. Studenten tragen Fotos ihrer 43 verschwundenen Kommilitonen

Mexiko-Stadt. Mitglieder der Bürgerwehren haben in der Gemeinde Loma del Zapatero in Iguala im Bundesstaat Guerrero Ende vergangener Woche neun weitere Massengräber gefunden. Laut Miguel Ángel Jiménez Blanco, einem der Koordinatoren der Suche, handelt es sich um Leichen von Personen, die vor kurzem ermordet und zerstückelt wurden. Angesichts der Untätigkeit der mexikanischen Behörden haben die Bürgerwehren weitgehend die Suche nach den Studenten übernommen. Dabei haben sie bereits mehr als 20 Geheimgräber in Iguala entdeckt. Ob die aufgefundenen Leichen zu den 43 verschwundenen Studenten gehören, ist noch offen.

Unterdessen gab der Gouverneur von Guerrero, Ángel Aguirre bei einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag in Chilpancingo bekannt, dass er auf Forderung seiner Partei hin von seinem Amt zurücktritt. Während er vor den Medienvertretern sprach, protestierten draußen die Eltern und Kommilitonen der 43 Studenten und Vertreter der katholischen Diözese von Chilpancingo-Chilapa. Sie forderten, dass Aguirre wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen während seiner Amtszeit und wegen seiner Verbindungen zur organisierten Kriminalität zur Rechenschaft gezogen wird.

Die Eltern der 43 Studenten und Mitglieder des Mexikanischen Verbandes sozialistischer Bauern und Studenten (FECSM) informierten am vergangenen Freitag, dass sie Gespräche ab sofort nur mit Präsident Enrique Peña Nieto führen würden. Die von der Staatsanwaltschaft (PGR) unternommenen Suchmaßnahmen haben bis heute keine konkreten Ergebnisse gebracht. Die Eltern sind darüber hinaus über Äußerungen der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Gendarmerie und des Innenministeriums bei einem gemeinsamen Gespräch empört. Diese hatten mitgeteilt, sie wollten jetzt "mögliche Verbindungen" der Studenten mit der organisierten Kriminalität ermitteln. "Nun wollen sie meinen Sohn als Drogenhändler darstellen", sagte einer der Väter.

In Mexiko, Lateinamerika, USA, Europa und Asien finden indes zahlreiche Solidaritätsaktionen mit den Verschwundenen und ihren Angehörigen statt. Am vergangenen Donnerstag zog die größte Demonstration seit Jahrzehnten durch Mexiko-Stadt (amerika21 berichtete). Das Nationale Indigene Komitee (CNI) und die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) bekundeten in einem gemeinsamen Kommuniqué ihre Solidarität. Die Angehörigen der 43 Studenten kündigten weitere Protestaktionen an, darunter einen Nationalen Streik, falls ihre Söhne nicht lebendig gefunden werden.

Die bekannte mexikanische Schriftstellerin Elena Poniatowska hat sich ebenfalls mit den Eltern der Studenten solidarisiert. Vor der protestierenden Menschenmenge auf dem Zócalo genannten zentralen Platz von Mexiko-Stadt richtete Poniatowska am Sonntag einen Appell an die Regierung, die Studenten "lebendig zurückzubringen". Die Autorin kritisierte auch die von Präsident Peña Nieto initiierten Privatisierungsreformen. Am Ende der Kundgebung verlas Poniatowska in wenigen Sätzen die Biografien der 43 Studenten: "Adan Abrajan De la Cruz, 20 Jahre alt, Bauer aus der Gemeinde Tixtla, spielt gerne Fußball...".

Für den Oppositionspolitiker Manuel López Obrador, der zusammen mit Poniatowska auf der Tribüne stand, gibt es für Mexiko nur zwei Möglichkeiten, die politische Krise zu überwinden: "Eine wäre die radikale Änderung der Innenpolitik unter dem aktuellen Präsidenten. Die zweite wäre der Rücktritt des Präsidenten, um am 7. Juli 2015 Neuwahlen stattfinden zu lassen." Die Regierungszeit von Peña Nieto endet regulär im Jahr 2018.

Zu Beginn dieser Woche entdeckten staatliche Sicherheitskräfte auf einer Mülldeponie in Puente de Río San Juan in der Nähe von Iguala wieder Überreste von Leichen. Der Generalstaatsanwalt Mexikos, Jesús Murillo Karam, gab indes die Verhaftung von sechs Mitgliedern der Drogenbande "Guerreros Unidos" bekannt, die mutmaßlich am Verschwindenlassen der 43 Stundenten beteiligt sind.

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