Venezuela beantragt OPEC-Sondersitzung

Venezuela und Ecuador koordinieren Bemühungen um stabilen Ölpreis. Saudi-Arabien forciert Preisverfall. Bezug zu internationalen Konfrontationen vermutet

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Logo der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC)
Logo der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC)

Caracas. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat bekannt gegeben, dass seine Regierung eine Sondersitzung der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) beantragt hat, um den Verfall der Rohölpreise auf dem internationalen Markt zu diskutieren. Zur Vorbereitung sei sein Außenminister Rafael Ramírez gegenwärtig nach Ecuador gereist, um die Bemühungen zu koordinieren, "den Markt und Preis für Rohöl zu verteidigen", sagte Maduro am vergangenen Freitag. Damit ist Venezuela als erstes OPEC-Mitglied politisch aktiv geworden, um die Gefahren für einzelne Ökonomien und die Weltwirtschaft zu thematisieren.

Nach einer vierjährigen stabilen Phase war bereits im August der Preis für ein Barrel Rohöl unter 100 US-Dollar gefallen und bewegt sich gegenwärtig auf einem Niveau zwischen 80 und 90 Dollar. Als Urheber des Preisverfalls wird Saudi-Arabien ausgemacht, das seine Förderung entgegen dem konjunkturellen Trend gesteigert hat. Da die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose für die Nachfrage nach Erdöl seitens der Industrieländer für dieses und das kommende Jahr gesenkt hat, löst die saudische Steigerung der Förderung einen Kampf um Marktanteile aus.

Internationale Wirtschaftsbeobachter haben als die Verlierer der Preisbewegung am Ölmarkt schnell vor allem den Iran, Venezuela und Russland, das im Ölbereich eng mit dem südamerikanischen Land kooperiert, ausgemacht. Demnach seien die jeweiligen Staatshaushalte ab Preisen unterhalb von etwa 135, 120 und 100 Dollar massiv gefährdet. Entsprechend wird ein Zusammenhang mit dem vom Westen gewünschten politischen und wirtschaftlichen Druck auf diese Länder gemutmaßt. Nur aus diesem Grund würden die USA den Preisverfall akzeptieren, obwohl ihre eigene Ölförderung damit droht unrentabel zu werden, da die Förderung durch Fracking in den USA kostspieliger ist als es die herkömmlichen Methoden sind.

Venezuelas Präsident versicherte nun erneut, dass der Haushalt des Landes durch den niedrigen Ölpreis nicht gefährdet sei. Insbesondere die Sozialprogramme, die es nach UN-Angaben Venezuela als einem der wenigen Länder in der Welt ermöglichten, in den vergangenen Jahren die Einkommensschere zu verringern, seien in nationaler Währung abgedeckt.

Gleichwohl bleibt der Umstand, dass die Handelsbilanz des Landes zu etwa 96 Prozent durch die Ölexporte bestimmt wird. Entsprechend geben Stimmen aus der Opposition die Prognose, dass der Devisenmangel für Einfuhren von Lebensmitteln, Bedarfs- und Investitionsgüter sowie die Inflation sich weiter verschärfen würden. Ein früherer Direktor der heute staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA, José Toro Hardy, beklagte: "Dies alles passiert nur wegen der beispiellos populistischen Politik, die auf die Erdölindustrie angewendet worden ist und diese in den politischen Arm der Bolivarischen Revolution verwandelt hat." Die Regierung solle die einheimische Währung abwerten und die über das regionale Energiebündnis Petrocaribe abgewickelten "Geschenke an Kuba und andere Länder" beenden.

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