Venezuela / Wirtschaft

Venezuela gibt sich angesichts fallender Ölpreise gelassen

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Entwicklung des OPEC-Erdölpreises im vergangenen Jahr. Der venezolanische Preis liegt leicht unterhalb dieses Referenzwertes
Entwicklung des OPEC-Erdölpreises im vergangenen Jahr. Der venezolanische Preis liegt leicht unterhalb dieses Referenzwertes

Caracas. Der Präsident Venezuelas hat sich angesichts zuletzt gefallener Erdölpreise zuversichtlich gezeigt, dass dies die venezolanische Wirtschaft nicht gefährde. "Es wird weder eine Katastrophe noch einen Kollaps geben", erklärte Nicolás Maduro gegenüber Medien. "Wir haben die finanziellen Kapazitäten für alle Projekte in (der Landeswährung) Bolívares, die unser Volk benötigt." Zugleich gehe die Regierung davon aus, dass der Preis bald wieder steigen werde.

Der Preis des venezolanischen Erdöls war in den letzten Wochen auf ein Vierjahrestief von 75,9 US-Dollar gefallen. Zuvor war er relativ stabil und kostete im Jahresdurchschnitt 103,42 (2012) beziehungsweise 98,08 US-Dollar (2013). Da die venezolanische Wirtschaft genauso wie der Staatshaushalt nahezu komplett von den Einnahmen aus dem Erdölgeschäft abhängt, hatte der Preisrückgang zu Warnungen vor Risiken für Venezuela geführt. Etwa 96 Prozent der Devisen des Landes kommen aus dem Erdölexport. Wie in vielen Erdölökonomien wird ein Großteil der Produkte für den heimischen Markt importiert und nur sehr wenig im Land produziert.

Die Bank of Amerika Merill Lynch sprach zuletzt von einem "ernsten Risiko" für die Position Venezuelas und errechnete einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf des Landes in Höhe von 12 Milliarden Dollar. Zugleich gab die Finanzinstitution allerdings an, dass sie für 2015 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 90 Dollar rechne. Sie korrigierte damit vorherige Prognosen um fünf Dollar nach unten. Im venezolanischen Staatshaushalt für das Jahr 2015 wird hingegen wie üblich äußerst konservativ mit einem Wert von 60 US-Dollar gerechnet.

Venezuela hat seit der Präsidentschaft von Hugo Chávez versucht, über seinen Einfluss in der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) dafür zu sorgen, dass sich die Erdölpreise auf hohem Niveau stabilisieren. Dieses Engagement dürfte dazu beigetragen haben, dass die Erdöl-Dollars in den vergangenen Jahren relativ stabil sprudelten. Zuletzt hat das OPEC-Kartell jedoch vor allem durch die Ausweitung der Erdölförderung der USA an Einfluss verloren. Die USA haben unter anderem durch die Anwendung von Fracking Marktanteile zurückgewinnen und sich so in der Energieversorgung unabhängiger machen können.

Versuche von Seiten Venezuelas, durch die Reduzierung der Förderung in den OPEC-Ländern den Preis wieder nach oben zu treiben, könnten indes zum Scheitern verurteilt sein: Gegenüber Investoren sollen saudi-arabische Regierungsvertreter geäußert haben, sich durchaus mit einem Preis von etwa 80 Dollar zufrieden zu geben.

Die venezolanische Regierung kritisiert unterdessen nicht allein die Ausweitung der Produktion in den USA, sondern auch deren Fördermethoden und die damit einhergehende Umweltzerstörung, die auch bei vielen Umweltverbänden in der Kritik steht. Die USA hätten den internationalen Markt "überschwemmt", um Venezuela, Russland und den Iran zu schwächen, sagte Präsident Maduro. Die USA nutzten dafür "barbarische, wilde und unmenschliche Methoden", um Öl und Gas aus dem Boden zu holen. Dies bedeute "unbezahlbare menschliche Kosten" und könne "irreversible Umweltschäden" verursachen.

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