Bolivien / Kultur

Rezension: The Fighting Cholitas – Ein Film von Mariam Jobrani

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Yolanda la Amorosa gehört zu den Fighting Cholitas
Yolanda la Amorosa gehört zu den Fighting Cholitas

Die kurze Dokumentation der iranischen Regisseurin Mariam Jobrani aus dem Jahr 2006 porträtiert fünf starke und mutige Wrestlerinnen im bolivianischen El Alto. Jeden Sonntag steigen die Frauen in den Ring und beeindrucken das Publikum mit spektakulären Kampfelementen des Lucha Libre, einer Mischung aus professionellem mexikanischen und US-amerikanischen Wrestling.

Die sogenannten Fighting Cholitas sind indigene Frauen, die auch beim Kampf ihre traditionelle Kleidung aus mehrlagigen bunten Röcken und Blusen tragen. Einzig der Melonenhut und opulenter Schmuck werden vorher abgelegt. Voller Stolz und Würde präsentieren die Wrestlerinnen so ihre indigenen Wurzeln und Traditionen in einem ungewöhnlichen Sport. Bei den Kämpfen treten meist je eine Vertreterin der Gruppe Las tecnicas und der Las rudas gegeneinander an. Der Kampfstil der Ersten ist eher auf technische Elemente fokussiert, während die Vertreterinnen der zweiten Gruppe mit Kraft und möglichst viel Körpereinsatz zu gewinnen versuchen.

Neben dem Wrestling arbeiten fast alle Frauen in weiteren Berufen, um zum  Familieneinkommen beizutragen. Der Sport bringt bisher bei Weitem nicht genug ein, obwohl er immer berühmter und rentabler wird.

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Auf unterhaltsame Weise dokumentiert Jobrani die wöchentlichen Kampfauftritte, eine Mischung aus Show und realen Aggressionen. Das Wrestling wird dabei von den Frauen auch als eine Form von Gesellschaftskritik angesehen. Sie kämpfen mit der Ausübung des Sports gegen alltägliche Diskriminierungen aufgrund ihrer indigenen Herkunft und gegen sexistische Vorwürfe, der Showkampf sei obszön. In Bezug auf ihre Kinder, die zwischen indigenen Traditionen und "modernen" Veränderungen aufwachsen, fragen sich die Frauen, welchen Weg diese wohl wählen werden?

The Fighting Cholitas ist keine Unterhaltungsshow über Wrestlerinnen, die in farbenfrohen traditionellen Kleidern in den Ring steigen, um das Publikum zu belustigen. Es ist vielmehr ein Film über die Emanzipation indigener Frauen, die sich gegen Sexismus und Rassismus in Bolivien auflehnen und Wrestling als Mittel nutzen ihre Stärke und Traditionen zu präsentieren.


Im Rahmen der 65. internationalen Filmfestspiele Berlin, die vom 5. bis 15. Februar stattfinden, präsentieren wir hier in den kommenden Tagen und Wochen einige Filme aus der Sonderreihe zum indigenen Kino Lateinamerikas. Unter der Überschrift 'NATIVe – A Journey into Indigenous Cinema' werden auf der Berlinale insgesamt 18 Spiel- und Dokumentarfilme aus den Jahren 1986 bis 2014 gezeigt.

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