Peru / Kultur

Rezension Madeinusa – Ein Film von Claudia Llosa

Manayaycuna, ein fiktives Dorf in den peruanischen Anden, ist Schauplatz dieses bedrückenden, emotionalen Films, der die Geschichte des Mädchens Madeinusa erzählt. Den Handlungsrahmen bildet das alljährliche Osterfest, bei welchem von Karfreitag bis Ostersonntag die "Heilige Zeit" gilt, in der Gott die Menschen nicht sieht und es daher keine Sünden gibt. Die Menschen dürfen dann ohne Reue und Strafe unmoralischen Lastern nachgehen, was nicht nur zu einem rauschenden Fest führt.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht das Mädchen Madeinusa, deren Vater der Bürgermeister des Dorfes ist und die zu Beginn des Films zur schönsten "Jungfrau" von Manayaycuna gekrönt wird. Dadurch spielt sie bei den österlichen Feierlichkeiten eine besondere Rolle, ist jedoch auch mit dem Neid der Schwester konfrontiert, die ebenfalls zur Wahl stand. In den prächtigen Gewändern, die Madeinusa als "Jungfrau" tragen muss, gleicht sie mal einem Engel, mal einer madonnenhaften Puppe.

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Ihr Verhalten scheint Madeinusa aber nur bedingt den Ansprüchen, die mit ihrer Rolle verknüpft sind, anzupassen: Als der junge Salvador aus Lima versehentlich im Dorf landet, ist Madeinusa von ihm fasziniert und beschließt die "Heilige Zeit" voll auszunutzen. Der Ausbruch aus der Enge des Dorflebens, aus dem die Mutter vor Jahren in die Hauptstadt geflohen war und in dem Madeinusa den Übergriffen des Vaters ausgesetzt ist, bleibt jedoch nicht folgenlos.

Madeinusa wurde 2006 unter der Regie von Claudia Llosa gedreht, die in diesem Jahr Mitglied der Jury des Berlinale-Wettbewerbs ist. Ihr preisgekröntes Spielfilmdebüt verhalf der Schauspielerin und Quechua-Sängerin Magaly Solier zum Durchbruch und schildert die faszinierende Verzerrung und Verschmelzung entgegengesetzter Kulturen und Religionen.

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