Quito. Sieben Menschenrechtsorganisationen dokumentieren in einem gemeinsamen Bericht die Kriminalisierung von Protesten, Angriffe auf Aktivist:innen sowie die Schwächung rechtsstaatlicher Institutionen in Ecuador. Sie warnen vor einer zunehmenden Repression und Militarisierung. Grundlage des Berichts sind Interviews mit betroffenen Gemeinden, lokalen Behörden, Menschenrechtsverteidiger:innen und Vertreter:innen der internationalen Gemeinschaft im Rahmen eines Beobachtungsbesuchs im März 2026.
Laut dem im September veröffentlichten Bericht "Angriffe und Kriminalisierung der Zivilgesellschaft im Kontext von Militarisierung und Extraktivismus in Ecuador" werden seit März 2024 wiederholt Ausnahmezustände verhängt und die Streitkräfte verstärkt für die öffentliche Sicherheit eingesetzt. Diese Maßnahmen verringerten die Unsicherheit jedoch nicht. Gleichzeitig erreichten die Zahlen gewaltsamer Todesfälle historische Höchststände. Besonders betroffen seien indigene Gemeinschaften, afroecuadorianische Bevölkerungsgruppen und bäuerliche Gemeinden in militarisierten Gebieten.
Die Organisationen, unter ihnen beispielsweise die "Internationale Föderation für Menschenrechte" (FIDH) und "Internationale Friedensbrigaden" (PBI), kritisieren außerdem die gewaltsame Repression gegen Proteste, insbesondere gegen die von indigenen Bewegungen getragenen Demonstrationen im Jahr 2025. Zivilgesellschaftliche Organisationen seien zunehmend von Drohungen, Stigmatisierung sowie juristischen, administrativen und finanziellen Maßnahmen betroffen. Auch die Unabhängigkeit der Justiz und die Arbeit der Verfassungsgerichte geraten laut dem Bericht unter Druck.
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Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts ist die Ausweitung extraktiver Wirtschaftsaktivitäten in den Bereichen Bergbau, Erdöl, Agrarindustrie, Fischerei und Wasserkraft. Die Organisationen sehen darin eine Verbindung zwischen wirtschaftlichen Interessen, Sicherheitsmaßnahmen und der Einschränkung der Mitbestimmung betroffener Gemeinden.
Die sieben Organisationen fordern die ecuadorianische Regierung auf, die Sicherheitsmaßnahmen rechtsstaatlich zu kontrollieren, die Unabhängigkeit der Institutionen zu gewährleisten und Übergriffe auf Demonstrant:innen sowie Menschenrechtsverteidiger:innen zu untersuchen. Zudem müsse die freie, vorherige und informierte Zustimmung betroffener Gemeinden bei extraktiven Projekten respektiert werden. Die internationale Gemeinschaft solle die Menschenrechtslage stärker überwachen und den Schutz zivilgesellschaftlicher Organisationen und gefährdeter Menschen unterstützen.
Auch nachdem Besuch der Delegation im März bleibt die Lage angespannt. Ein aktuelles Beispiel für die Spannungen zwischen Regierung und Zivilgesellschaft sind Proteste vom vergangenen Freitag in Quito (amerika21 berichtete). Student:innen und soziale Organisationen demonstrierten gegen die Regierung von Präsident Daniel Noboa und forderten Verbesserungen in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Beschäftigung. Wie das ecuadorianische Medium Expreso und der Nachrichtensender teleSUR berichteten, beklagten Journalist:innen, die über die Proteste berichteten, körperliche Angriffe durch Polizeikräfte sowie Schäden an ihrer Ausrüstung.

