Guatemala-Stadt. Präsident Bernardo Arévalo hat sich am Freitag offiziell im Namen des Staates Guatemala für das gewaltsame Verschwinden der vier indigenen Gemeindeaktivisten Agapito Pérez, Nicolás Mateo, Macario Pú und Luis Ruiz entschuldigt. Der Fall ist einer von zahlreichen Verbrechen im guatemaltekischen Bürgerkrieg. Bei der Zeremonie im Nationalpalast in der Hauptstadt Guatemala-Stadt waren Angehörige der Verschwundenen, Regierungsvertreter und Menschenrechtsorganisationen anwesend.
Die vier Dorfbewohner waren aktiv im Consejo de Comunidades Étnicas Runujel Junam (CERJ) im Departamento Quiché, als sie Anfang April 1989 von Soldaten aus ihren Häusern entführt wurden und spurlos verschwanden. Die Armee verdächtigte die vier der Zusammenarbeit mit der Guerilla. Außerdem hatten sie sich geweigert, den Patrullas Autodefensa Civil (PAC) beizutreten. Rund eine Million Männer gehörten in den 1980er Jahren den Strukturen der PAC an, die gegen die Guerilla eingesetzt wurde. Die Rekrutierung erfolgte in vielen Fällen zwangsweise, dem PAC werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt.
Die öffentliche Entschuldigung am Freitag ging auf ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte zurück, das die Entschuldigung 2024 angeordnet hatte. Arévalo sagte auf der Veranstaltung: "Eine öffentliche Entschuldigung ist keine bloße Formalität: Sie ist die Anerkennung der Würde, die einst verweigert wurde. Heute entschuldigen wir uns im Namen des Staates bei den Familien Pérez, Mateo, Pú und Ruiz. Diese Entschuldigung ist zugleich ein Versprechen: Die Macht wird nie wieder dazu missbraucht, Leid zuzufügen, und sie wird stets im Dienste des Volkes und seiner Rechte stehen." Weiter erklärte der sozialdemokratische Staatschef: "Der Staat hat versagt, und deshalb entschuldige ich mich in meiner Funktion als Präsident und Vertreter des Staates öffentlich bei den Familien der Maya-Aktivisten für ihr Verschwindenlassen und die darauffolgende Verweigerung von Gerechtigkeit."
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Im guatemaltekischen Bürgerkrieg, im Land selbst meist als interner bewaffneter Konflikt bezeichnet, kamen mindestens 200.000 Menschen ums Leben, weitere 45.000 verschwanden. Rund 83 Prozent der Opfer waren Indigene. Eine UN-Kommission kam 1999 zu dem Ergebnis, dass für 93 Prozent der Verbrechen staatliche Strukturen verantwortlich waren.
Als Beginn des Bürgerkrieges gilt eine Erhebung demokratischer Offiziere und Studenten am 13. November 1960, sechs Jahre nach dem Putsch gegen die demokratisch gewählte Regierung von Jacobo Árbenz. Am 29. Dezember 1996 unterzeichneten Vertreter der Regierung und der Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca (URNG) das Abkommen für einen dauerhaften Frieden. Um den Charakter des Widerstandes gegen die Diktatur in jenen Jahren zu betonen, wird die Zeit von sozialen Bewegungen in Guatemala auch häufig als revolutionärer Volkskrieg bezeichnet.


