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Gerüchte über iranischen Diplomaten in Uruguay

Montevideo. Laut einem Bericht der israelischen Zeitung "Haaretz" hat Uruguay einen hochrangigen Mitarbeiter der iranischen Botschaft ausgewiesen. Er sei verdächtigt worden, Anfang Januar eine Bombenattrappe in der Nähe der israelischen Botschaft deponiert zu haben.

Am 8. Januar war etwa 100 Meter entfernt von dem World Trade Center genannten Bürohochhaus von einem Polizeihund ein kleiner Behälter mit Sprengstoff entdeckt worden. In dem Center befindet sich auch die israelische Botschaft. In Israel wurde davon ausgegangen, dass dies der Botschaft galt, oder zumindest deren Sicherheitsvorkehrungen testen sollte. Angesichts der geringen Menge und des Abstands zum Gebäude bestand keine Gefahr. Der Sprecher der uruguayischen Armee, Yamandu Lessa, sagte überdies nach der kontrollierten Sprengung, dass gar kein Zünder vorhanden war.

Laut "Haaretz" fand der Geheimdienst Uruguays Hinweise darauf, dass ein Mitarbeiter der iranischen Botschaft involviert sei. Nach Absprachen zwischen Uruguay und dem Iran sei einer der führenden Diplomaten ausgewiesen worden. In einer Pressemitteilung des Außenministeriums Uruguays wird dies dementiert. Die Untersuchungen durch das Innenministerium hätten keine Beweise erbracht, die einen Mitarbeiter der iranischen Botschaft belasteten. Daher sei auch kein Beamter des diplomatischen Dienstes ausgewiesen worden.

Dies ist bereits das zweite Mal, dass die iranische Botschaft von israelischer Seite in Verbindung mit einem öminösen Vorfall gebracht wird. Am 24. November 2014 wurde ein "verdächtiger Koffer" in der Nähe der Botschaft gefunden. Dieser sei aber laut Armeesprecher Lessa leer gewesen. Damals sollen Filmaufnahmen ein Auto mit dem Nummernschild der iranischen Botschaft in der Nähe des Fundorts des Koffers gezeigt haben. Die iranische Botschaft habe dazu gesagt, dass ein Mitarbeiter zufällig in der Nähe einen Arztbesuch gehabt habe. Selbiger Mitarbeiter hat laut uruguayischen Medien am 7. Dezember seinen Dienst in Uruguay beendet und sei zurück in den Iran gereist.

Am 8. Februar berichtete "Haaretz", dass Ahmed Sabatgold, ein politischer Berater der iranischen Regierung, Informationen über die israelische Botschaft in Montevideo gesammelt habe. Sabatgold sei auch verdächtigt worden, die Bombenattrappe gelegt zu haben, und mittlerweile aus Uruguay geflüchtet. Dem Außenministerium des südamerikanischen Landes wirft das Blatt vor, kaschiert zu haben, dass ihm genug Zeit zur Flucht gegeben wurde, sodass er nicht ausgewiesen werden musste. Eine Stellungnahme der Regierung Uruguays zu den Beschuldigungen liegt bislang nicht vor.

Die iranische Botschaft veröffentlichte am Samstag eine Pressemitteilung, in der sie die Anschuldigungen zurückwies. Diese "unfundierten und falschen Nachrichten am Vorabend des 36. Jubiläums der Islamischen Revolution" seien mit der Absicht verfasst worden, "Iranophobie" zu kreieren, heißt es darin.

Laut den Geheimdiensten Israels und der USA sollen der Iran und die libanesische Hisbollah in Südamerika ein "Terrornetzwerk" aufgebaut haben. Dieses soll auch für den Terroranschlag auf das Gebäude der Israelitisch-Argentinischen Vereinigung (AMIA) im Jahr 1994 verantwortlich sein, bei dem 85 Menschen getötet und rund 300 verletzt wurden.

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