Venezuela legalisiert Schwarzmarkt mit US-Dollar

Wert des Bolívar zum Ende der Woche 25 Mal niedriger als bisheriger Kurs. Chef der Zentralbank: Politische Bedingungen für Einheitskurs nicht gegeben

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Zwischen Erdölökonomie und "Wirtschaftskrieg": der  venezolanische Bolívar
Zwischen Erdölökonomie und "Wirtschaftskrieg": der venezolanische Bolívar

Caracas. Nach der Freigabe eines Teils des Devisenhandels in Venezuela lag der Wert der Nationalwährung Bolívar zum Ende der Woche um das 27-fache niedriger als der bisher staatlich festgesetzte Kurs. Wie die Zentralbank (BCV) in der venezolanischen Hauptstadt Caracas mitteilte, wurde der US-Dollar auf dem neuen Devisenmarkt am Freitag mit 170,03 Bolívar gehandelt. Ab sofort gelten in Venezuela drei Wechselkurse. Neben dem neuen gilt der staatlich fixierte Kurs von 6,30 Bolívar pro US-Dollar weiter. Ebenso bleibt ein Auktionssystem (Sicad) bestehen, das derzeit US-Dollar zu einem Preis von zwölf Bolívar vergibt.

Venezuelas Wirtschaftsminister Rodolfo Marco Torres und der Präsident der BCV, Nelson Merentes, hatten die aufsehenerregende Entscheidung für das neue Wechselkurssystem Mitte der Woche vorgestellt. Dieses sieht eine teilweise Liberalisierung des Dollar-Zugangs vor, wird aber weiterhin auf drei Säulen mit unterschiedlichen Wechselkursen basieren. So werden Privatpersonen ab nächsten Donnerstag täglich bis zu 300 US-Dollar sowie jährlich bis zu 10.000 US-Dollar zu einem marktbestimmten Kurs beziehen können. Mit dem neu eingeführten Marginalen Devisensystem (Simadi) beabsichtigt die Regierung, den Schwarzmarkt unter Kontrolle zu bringen.

Der neue am Markt ausgerichtete Kurs blieb etwas unter den bisher in dem südamerikanischen Land üblichen Schwarzmarktkursen von bis zu 190 Bolívar pro US-Dollar.

In Venezuela liegt der Wechselkurs seit Längerem im Zentrum der Diskussionen. Um der Kapitalflucht entgegenzuwirken, führte vor rund zwölf Jahren der damalige Präsident Hugo Chávez einen fixen Wechselkurs ein. Im Verlauf der Zeit wurde das Wechselkurssystem mehrfach umstrukturiert. Zuletzt existierten drei offizielle Wechselkurse, die nach ökonomischen Prioritäten gegliedert waren (Cencoex: 6,30 Bolívar/USD; Sicad I: zwölf Bolívar/USD sowie Sicad 2: rund 50 Bolívar/USD). Daneben blühte stets ein Schwarzmarkt zu den genannten Kursen.

Notenbankchef Merentes ließ verlauten, die politischen Bedingungen für einen einheitlichen Wechselkurs seien zurzeit nicht gegeben. Er bezog sich dabei auf einen von der Regierung behaupteten "Wirtschaftskrieg" der USA und der rechtsgerichteten Opposition. Dieser führe dazu, dass die Wirtschaft nicht vernünftig reagiere.

Mit rund 70 Prozent der ökonomischen Aktivitäten soll der Hauptteil der Wechselgeschäfte weiterhin über den unveränderten Cencoex-Kurs (ehemals Cadivi) laufen. Von diesem Vorzugskurs von 6,30 Bolívar pro US-Dollar können die Importeure prioritärer Güter wie Lebensmittel, Medikamente oder gewisser Rohstoffe Gebrauch machen.

Die restlichen 30 Prozent sollen über das komplementäre Wechselkurssystem Sicad abgewickelt werden, wobei Sicad I und Sicad 2 zusammengezogen werden. Dieser Kurs wird vorerst bei zwölf Bolívar/USD ansetzen, wobei der Preis durch Auktionen bestimmt wird. Dieser Kurs gilt für Importeure nicht prioritärer Güter sowie für den Ankauf von US-Dollar für private Auslandsreisen.

Daneben werden künftig im Rahmen des neuen Systems Simadi US-Dollar gänzlich frei von staatlicher Kontrolle in Banken und Wechselstuben zur Verfügung gestellt, wobei der Kurs einzig durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Laut Merentes wird der Simadi-Kurs ähnlich dem Schwarzmarktkurs sein und soll deshalb eine anziehende Wirkung haben.

Tatsächlich handelt es sich bei dem neuen System um die Legalisierung des illegalen Kurses, wobei das Hauptziel darin besteht, Spekulationsangriffe auf den Bolívar einzudämmen und den illegalen Dollar-Verkauf zu eliminieren.

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