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14.03.2015 Mexiko / Menschenrechte / Politik

Proteste gegen Televisa in Mexiko wegen Rufmord-Kampagnen

Vater eines der verschwundenen Studenten bei der Protestaktion am Dienstag

Vater eines der verschwundenen Studenten bei der Protestaktion am Dienstag

Mexiko-Stadt. Die Eltern von seit über fünf Monaten verschwundenen Lehramtsstudenten aus dem südmexikanischen Ayotzinapa haben gemeinsam mit Unterstützern den Eingang des größten Medienkonzerns des Landes, Televisa, in Mexiko-Stadt für mehrere Stunden besetzt, um gegen die Darstellung ihrer Bewegung zu protestieren.

Über 1.000 Demonstranten, darunter Mitglieder der unabhängigen Lehrergewerkschaft (CNTE), Mitarbeiter der Regionalen Vereinigung für Lehrer aus Guerrero (Ceteg) sowie Aktivisten sozialer Gruppierungen und Menschenrechtsorganisationen marschierten am Dienstag zusammen mit den Eltern durch die Hauptstadt. Vor dem Televisa-Gebäude verlangten sie ihr Recht auf Gegendarstellung. Sie forderten Sendezeit, um über das Verschwindenlassen ihrer Söhne zu informieren. Geplant war, dass ihr Anwalt, der Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Tlachinollan, Vidulfo Rosales, und ihr Sprecher, Felipe De la Cruz, Gegendarstellungen übermitteln. Televisa verweigerte dies jedoch.

Televisa ist der größte private Medienkonzern in Mexiko und berichtet äußerst negativ über die Proteste in Bezug auf die 43 Verschwundenen. Die Familienangehörigen, Kommilitonen der Lehramtstudenten und Unterstützer sowie ihre Solidaritätsaktionen werden oft als kriminell dargestellt. Dem Konzern werden auch Rufmord-Kampagnen gegen die Berater der Eltern und Mitarbeiter der Organisation Tlachinollan, Vidulfo Rosales und Abel Barrera, vorgeworfen. Außerdem vermittle Televisa in der Öffentlichkeit den Eindruck, dass in dem Fall der Lehramtsstudenten ausreichend ermittelt worden und dieser nun abgeschlossen sei, gemäß der Version der mexikanischen Regierung, weil sie, "die Bevölkerung glauben lassen wollen, dass in Mexiko nichts passiert sei", so Vidulfo Rosales.

Vor dem Eingang zum Televisa-Gebäude während der Proteste

Während der Proteste wurde das Areal von Televisa von über hundert Polizisten und Sicherheitsmännern abgeriegelt. Kein Konzernvertreter war bereit, mit den Eltern zu sprechen. Jugendliche warfen rote Farbe auf die Fassade des Gebäudes und riefen dabei: "Das vergossene Blut wird nie vergessen".

Nach Auskunft der Protestierenden sind die Gespräche mit der Generalstaatsanwaltschaft nach dem Rücktritt von Jesús Murillo Karam abgebrochen worden. Ob sie nun unter der neuen Führung von Arely Gómez González wieder aufgenommen werden, sei unwahrscheinlich, heißt es von ihrer Seite. Aufgrund der Verbindung zu Televisa wird die Amtsübernahme durch Gómez González scharf kritisiert: Ihr Bruder Leopoldo Gómez González ist Vizepräsident des Nachrichten-Ressorts von Televisa.

Am Mittwoch demonstrierten erneut mehrere tausend Menschen in Chilpancingo im Bundesstaat Guerrero gegen das Verschwindenlassen, die Straflosigkeit und die neoliberale Reformpolitik von Präsident Enrique Peña Nieto.

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