Südamerika

Sicherheit vor Fußball? Kontroverse um Copa América in Chile

Bei der Südamerika-Meisterschaft in Chile sind die Sicherheitsmaßnahmen außergewöhnlich hoch. Parlament verschärft Gesetz zur Gewalt in Stadien

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Logo der Copa América 2015 in Chile
Logo der Copa América 2015 in Chile

Santiago de Chile. Mitte Juni wird Chile zum Zentrum des Weltfußballs. Die ganz großen Stars wie Lionel Messi, Neymar und James Rodríguez sind zu Gast in dem Andenland und versuchen für ihr Land die Copa América – das südamerikanische Pendant zur Europameisterschaft, das wie andere große Turniere alle vier Jahre ausgetragen wird – zu gewinnen.

Vorfreude und Spannung sind hoch. Das Publikum fiebert dem Fußballspektakel entgegen. Die Organisatoren hingegen sind eher nervös angesichts der Mammutaufgabe. Gastgeber Chile verabschiedete Ende April ein neues Gesetz, dass die alltägliche Gewalt bei Fußballspielen mindern soll. Es löst das seit 1994 bestehende "Gesetz zur Gewalt in Stadien” ab. Senat und Parlament haben dem Gesetz zugestimmt, die Regierung setzte es ab Anfang Mai in Kraft. Zudem wurde eigens eine Einheit Sicheres Stadion im Ministerium für Inneres und öffentliche Sicherheit geschaffen, die seine Durchsetzung begleitet und für "Wohlergehen und Sicherheit im Fußball” sorgen soll.

"Das Gesetz bestraft Belästigungen und Bedrohungen nicht nur im Stadion, sondern auch bei Zusammenkünften von Fans und gilt auch für das Privatleben der Spieler und Akteure der Vereine”, wie einige Parlamentarier die Änderungen auf den Punkt brachten. Die Strafen wurden nicht bloß erweitert und verteuert, sondern es wurde darauf geachtet, dass es zu keiner Straflosigkeit mehr kommt. Die bisherige Praxis der Strafverfolgung war sehr lax, was Gewalt und Rassismus im Fußball bei Fans und Akteuren zusätzlich befeuerte.

Vor allem die "Entführung” von Linienbussen durch Fangruppen vor und nach Partien soll härter bestraft werden, es drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Bisher hat die Polizei hierbei versagt, sodass Busfahrer sich vor Ligaspielen, wie etwa dem Clasíco zwischen Colo Colo und Universidad de Chile, weigerten zu arbeiten. Der Abgeordnete Jaime Pilowsky Greene bemerkte dazu: "Das neue Gesetz ist eine gute Nachricht für alle Fahrer im öffentlichen Transportwesen und die Bürger, denn nun können die Straftaten und Verfehlungen, die im Rahmen von Fußballspielen stattfinden, auch entsprechend bestraft werden und gelten nicht bloß als öffentliche Ruhestörung.”

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Vereine sind bisher kaum sanktioniert worden. Das neue Gesetz nimmt sie nun in die Pflicht. Es ist ein Katalog von Rechten und Pflichten sowohl der Fans als auch der Vereine und Organisatoren von Fußballspielen.

Die aktuellen Naturkatastrophen in Chile, Überschwemmungen im Norden des Landes und die Ausbrüche des Vulkans Calbuco im Süden, werden bei der Südamerikanischen Fußball-Konföderation (Conmebol), die alle südamerikanischen Fußballverbände eint, mit Sorge betrachtet. Die Vulkanasche hat bereits zu einer Beeinträchtigung des Flugverkehrs auf dem Kontinent geführt, und die Geologen des Nationalen Geologischen Instituts in Chile können noch keine Entwarnung für den Calbuco geben.

Trotz der Unwägbarkeiten gab Conmebol-Präsident Juan Angel Napout aus Paraguay bekannt, dass die Copa América wie geplant in Chile stattfinden werde. Auf einer Pressekonferenz kündigte er außerdem an, dass die Dopingkontrollen verschärft werden, geplant sind 500 Proben. Im Vergleich: Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gab es lediglich 250 Stichproben. Zudem werde konsequent gegen Rassismus vorgegangen: "Ich versichere ihnen, es wird sehr harte Strafen geben. Wir haben einen sehr strikten Diziplinarkatalog mit empfindlichen Sanktionen.” Anlass für Napouts Kommentar war der rassistische Angriff auf den venezolanischen Spieler Emilio Rentería, der aufgrund seiner Hautfarbe zum zweiten Mal Opfer chilenischer Fans geworden war.

Neben den zehn Mitgliedern der Conmebol (Argentinien, Brasilien, Uruguay, Chile, Paraguay, Ecuador, Bolivien, Peru, Kolumbien und Venezuela) nehmen erneut zwei  nicht südamerikanische Gastmannschaften teil. Neben Dauergast Mexiko, das bereits zum neunten Mal teilnimmt, feiert das Nationalteam von Jamaika Premiere bei der prestigeträchtigen Südamerikameisterschaft, die bereits seit 1916 ausgetragen wird.

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