CEPAL: Weniger Wirtschaftswachstum in Lateinamerika

Wirtschaftskommission der UNO korrigiert Prognosen deutlich nach unten. Besonders Südamerikas Wirtschaft schwächelt. Grund ist geringer Erdölpreis

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Logo der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal)
Logo der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal)

Santiago de Chile. Lateinamerikas Wirtschaft wird im Jahr 2015 nur um 0,9 Prozent wachsen. Das hat die aktuellste Prognose der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Comisión Económica para América Latina y el Caribe, CEPAL) ergeben, die unlängst in Santiago de Chile vorgestellt wurde.

Vergangenen Dezember war die Kommission noch von 2,2 Prozent. Im Vergleich zum damals zunächst prognostizierten 4,8-prozentigen Wachstum der sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländer wären dies zwar mäßige Zahlen gewesen, sie hätten jedoch eine positive Entwicklung im Gegensatz zum 1,1-prozentigen Wachstum des Vorjahres 2014 bedeutet.

Die aktuellen deutlich pessimistischeren Schätzungen für die Region spiegeln eine globale Stimmung wieder, im Zuge derer mit einer weltweit geringeren Wirtschaftsdynamik als noch vor einigen Monaten gerechnet wird. Grund für die negative Korrektur auf globaler Ebene sind zum einen die niedrigen Erdölpreise, die im vergangenen Jahr um gut 50 Prozent gefallen sind. Während industrialisierte Länder von den niedrigen Preisen weitgehend profitieren, sehen sich Staaten, deren Wirtschaft auf den Export von Erdöl angewiesen ist, mit großen Verlusten konfrontiert. Auch die verminderte Wirtschaftskraft Chinas hat negative Auswirkungen, insbesondere auf die Bilanzen vieler Länder des globalen Südens. Dennoch geht der Internationale Währungsfonds von einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent aus – weit über den Prognosen für Lateinamerika.

Entscheidend für das geringe Wachstum in Lateinamerika sind die niedrigen Rohstoffpreise, verstärkt durch den Rückgang der chinesischen Nachfrage nach Primärgütern. Auch die teilweise sehr starke Währungen sowie interne wirtschaftliche Probleme wie Inflation oder geringe Inlandnachfrage spielen eine Rolle. Jedoch ist die Situation der einzelnen Länder aufgrund unterschiedlicher wirtschaftlicher Strukturierung sowie Einbindung in die Weltwirtschaft heterogen. So ist die südamerikanische Region sowie Trinidad und Tobago aufgrund ihrer Ausrichtung auf den Export von Primärgütern wie Erdöl oder Minerale stark von den niedrigen Rohstoffpreisen betroffen. Die zentralamerikanischen und die englischsprachigen Karibikstaaten hingegen profitieren von den niedrigen Preisen der Primärgüter und ziehen zudem aufgrund ihrer Nähe zum US-Markt einen Vorteil aus dem wirtschaftlichen Aufwärtstrend der USA.

Entsprechend dieser Angaben geht die CEPAL auf subregionaler Ebene von einem Wachstum von 3,2 Prozent in Zentralamerika und Mexiko und 1,9 Prozent für die Karibik aus, während für Südamerika das Wirtschaftswachstum gegen Null Prozent läuft. Absoluter Anführer der Negativprognose ist Venezuela mit einem Negativwachstum von 3,5 Prozent, gefolgt von Brasilien mit einem Prozent. Spitzenreiter sind Panama, Antigua und Barbuda mit sechs und 5,4 Prozent, gefolgt von Bolivien, Nicaragua und die Dominikanische Republik mit jeweils fünf Prozent.

Doch das Wirtschaftswachstum ist nicht die einzige ökonomische Herausforderung für die Region. Lateinamerika kämpft nach wie vor mit der größten sozioökonomischen Ungleichheit weltweit und die vordergründig positive Entwicklung in Ländern wie Panama, Peru oder Kolumbien gründet unter anderem auf Investitionen in Megaprojekte, die auf Kosten von Natur und Mensch realisiert werden.

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