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Farc-Guerilla begrüßt Ernennung von deutschem Unterhändler

Amerika21-Interview zum Ende der Waffenruhe und zur Berufung des Grünen-Politikers Koenigs zum deutschen Beauftragten für die Friedensgespräche
FARC-Kommandant Pablo Catatumbo während der Friedensgespräche in Havanna

FARC-Kommandant Pablo Catatumbo während der Friedensgespräche in Havanna

Quelle: radiorebelde.cu

Havanna/Berlin. Die kolumbianische Rebellenorganisation Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (Farc) hat die Berufung eines Beauftragten der deutschen Bundesregierung für die laufenden Friedensgespräche in dem südamerikanischen Land begrüßt. "Wir halten es für sehr wichtig, dass die internationale Gemeinschaft das kolumbianische Volk bei seinen Bemühungen begleitet, eine Alternative zum Krieg zu finden", sagte der Farc-Kommandant Pablo Catatumbo im Gespräch mit dem Lateinamerika-Portal amerika21. Er reagierte damit auf die Berufung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs zum Beauftragten der deutschen Bundesregierung für die laufenden Friedensgespräche zwischen den Farc-Rebellen und der kolumbianischen Regierung. Diese Gespräche laufen seit September 2012 und finden in der kubanischen Hauptstadt Havanna statt.

Man sei darauf angewiesen, dass Regierungen, soziale Bewegungen, politische Parteien und Persönlichkeiten aus der ganzen Welt sich mit dem Friedensprozess solidarisieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu seinem Erfolg beitragen. "Ein Ende des Krieges in unserem Land wäre ein großer Gewinn für die ganze Menschheit", so Catatumbo, der zugleich daran erinnerte, dass es um die Lösung des letzten bewaffneten Konfliktes sozialen Ursprungs in Lateinamerika gehe. "Wir sind dankbar für die Gesten der deutschen Regierung, ebenso für die Botschaften, die wir von Gewerkschaften, Solidaritätsgruppen und politischen Gruppen aus Deutschland bekommen haben", so Catatumbo in dem Exklusivinterview, das heute bei amerika21 erschien.


Das vollständige Interview mit Farc-Kommandant Pablo Catatumbo lesen Sie hier.


Der 62-Jährige Guerillero zeigte sich zugleich besorgt über die jüngste Eskalation des Konflikts. Vor wenigen Tagen erst hatten die Farc eine seit Mitte Dezember 2014 bestehende einseitige Waffenruhe wieder beendet. Die Rebellen reagierten damit auf massive Angriffe der Armee auf ihre Lager. Von den Attacken während der laufenden Friedensgespräche waren die Guerilleros offenbar überrascht worden, mehrere Dutzend Rebellen wurden getötet.

Nach Ansicht von Catatumbo haben diese Angriffe "mehrere Folgen, und sie alle sind sehr besorgniserregend". Die Farc habe sich gezwungen gesehen, den einseitigen Waffenstillstand aufzuheben. "Die andauernden Angriffe der Streitkräfte auf unsere Einheiten machten diese Situation unhaltbar", sagte er weiter. Es sei bedauerlich, "dass wegen der Unfähigkeit der Regierung, einen beidseitigen Waffenstillstand zu vereinbaren, eine Initiative unsererseits beendet werden musste".

Der einseitige Waffenstillstand der Farc habe eine enorme Verminderung der gewaltsamen Aktionen im Land gebracht. Unabhängige Analysten hätten bestätigt, dass sich die Konfrontationen im Zuge des Konfliktes seit dem Beginn der Waffenruhe am 20. Dezember bis zur Aufhebung in der vergangenen Woche um fast 85 Prozent verringert habe. "Es war eine sehr wichtige Initiative zur Deeskalation, aber die Regierung wusste sie nicht zu schätzen. Heute verschärft sich der Konflikt wieder. Das hilft dem Friedensprozess nicht", sagte der Rebellenchef.

Pablo Catatumbo, dessen bürgerlicher Name Jorge Torres Victoria lautet, ist Mitglied der Verhandlungsdelegation der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Armee des Volkes (Farc-EP) in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Catatumbo gehörte zuvor der Guerillabewegung M-19 an und war zuletzt Kommandant der Ostfront (Bloque Oriental) der Farc.

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