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Evo Morales startet "große Kampagne" für Meereszugang

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Evo Morales mit Amtskollegin Christina Fernández de Kirchner am Mittwoch in der Casa Rosada, Buenos Aires
Evo Morales mit Amtskollegin Christina Fernández de Kirchner am Mittwoch in der Casa Rosada, Buenos Aires

La Paz. Wie Boliviens Präsident Evo Morales angekündigt hat, wirbt er während seiner momentanen diplomatischen Reise nach Argentinien und Brasilien aktiv für das Anliegen des Landes, einen souveränen Pazifikzugang zurückzuerhalten.

Zuvor hatte die Erwähnung des Konflikts mit Chile durch Papst Franziskus die relative Stille zum Thema in beiden Staaten beendet, wobei jede Seite die Worte des Kirchenoberhaupts für sich zu interpretieren weiß.

Bei seinem offiziellen Besuch in Bolivien vergangene Woche überreichte Präsident Morales dem Papst unter anderem auch das "Buch des Meeres", in dem die Argumentation des Andenstaates dargelegt wird, wie sie auch vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag vertreten wird. In der Kathedrale von La Paz leitete Papst Franziskus das delikate Thema mit den Worten ein: "Ich denke an das Meer. Dialog, Dialog." Dieser  sei unerlässlich, und er forderte die Konfliktparteien dazu auf, ihn "aufrichtig und offen" zu führen. Später, bereits im Flugzeug, fügte er hinzu, der Anspruch Boliviens sei "nicht ungerechtfertigt", betonte aber auch, dass eine Schlichtung mit Chile "der letzte Schritt" sei. Die Regierung in Santiago de Chile wertete die Aussagen des Papstes positiv, da er weder Partei ergriffen noch von Souveränität oder dem Gericht in Den Haag gesprochen habe. Vielmehr hätte er zum Dialog aufgefordert, den Chile immer bereit gewesen sei zu führen, Bolivien dagegen habe den Weg zum Gericht gesucht.

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Präsident Evo Morales dankte seinerseits dem Pontifex ebenfalls für seinen Aufruf zum Dialog. Sein Besuch habe bestätigt, dass Bolivien "nicht falschliegt", wenn es mit Souveränität zurück ans Meer möchte. Laut "Los Tiempos" sagte Morales, der Papst habe sich der Forderung Boliviens angeschlossen.

Bereits im vergangenen Monat hatten die Nachbarländer Perú und Paraguay ihre pro-bolivianische Position im maritimen Streit mit Chile bekundet.

In Argentinien unterzeichnete der bolivianische Präsident diese Woche über ein Dutzend bilateraler Abkommen, vor allem auf dem Gebiet des Energiesektors. Er traf sich im Rahmen der "großen Kampagne" für den Meereszugang auch mit chilenischen und argentinischen sozialen Organisationen. Am Freitag nahm er am Treffen der Mercosur-Staaten in Brasilien teil, die erwartungsgemäß mit ihrer Unterschrift dem Beitritt Boliviens zum Staatenbündnis zustimmen werden.

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