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30.07.2015 El Salvador / Politik

Maras erzwingen Bus-Streik in El Salvador

Staatliche Institutionen stellen im Rahmen eines Notfallplanes Fahrzeuge und Personal zur Verfügung

Staatliche Institutionen stellen im Rahmen eines Notfallplanes Fahrzeuge und Personal zur Verfügung

Quelle: twitter.com

San Salvador. Scheinbar auf Befehl der Maras haben seit Montag zahlreiche Busbetriebe in dem mittelamerikanischen Land den Betrieb eingestellt. Mehr als 100 Routen im ganzen Land werden nicht von öffentlichen Verkehrsmitteln befahren, wobei die Hauptstadt San Salvador besonders betroffen ist. Die Maras drohten mit Vergeltungsschlägen gegen jene, die sich nicht an dem Streik beteiligen. Mindestens neun Busfahrer wurden bereits getötet, zwei weitere verletzt. Die kriminellen Gruppen wollen offenbar Verhandlungen mit der Regierung erzwingen, was diese bislang ablehnt.

Inzwischen hat die Polizei mehrere Bandenchefs festgenommen. Außerdem wurden bereits inhaftierte Anführer der Maras in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt, wie der stellvertretende Polizeichef Howard Cotto am Dienstag mitteilte. Die Männer hatten den Ausstand wohl aus ihren Zellen heraus angeordnet.

Die Regierung der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) unter Präsident Salvador Sánchez Cerén bezeichnete den Streik als "terroristischen Akt". Man werde dem Druck der kriminellen Gruppen nicht nachgeben, so ein Regierungssprecher, stattdessen wolle man alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um gegen die Bandenchefs vorzugehen. Sánchez Cerén betonte am Montag, das Verbrechen werde "den Willen der Bevölkerung und der Regierung nicht beugen". Er wies das Verteidigungsministerium und andere staatliche Institutionen an, Fahrzeuge und Personal einzusetzen, um den Öffentlichen Nahverkehr notfallmäßig abzusichern. Zugleich appellierte der Präsident an die rechtsgerichtete Opposition, namentlich an die Nationalrepublikanische Allianz (Arena), "destabilisierende Gruppen" nicht zu unterstützen.

Die Mara-Banden kontrollieren in El Salvador ganze Stadtviertel und sind in Drogenschmuggel, Schutzgelderpressung sowie Menschenhandel verwickelt. Sie sind auch maßgeblich verantwortlich für eine massive Mordwelle im Land.

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