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UN-Bericht zu Hunger und Landwirtschaft in Lateinamerika

FAO und Aladi stellen Potenzial zur Souveränität Lateinamerikas und der Karibik bei Lebensmittelproduktion fest. Freihandel indirekt problematisiert
Lateinamerika könnte sich mit Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion selbst versorgen

Lateinamerika könnte sich mit Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion selbst versorgen

Rom/Montevideo. Laut einem kürzlich gemeinsam veröffentlichten Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Lateinamerikanischen Integrationsvereinigung (Aladi) produzieren Lateinamerika und die Karibik um ein Vielfaches mehr an Nahrungsmitteln, als die Bewohner der Region zusammen verbrauchen. Der Studie der Organisationen zufolge könnten sie sich problemlos souverän mit Nahrungsmitteln versorgen und eine Ernährung aller Bewohner garantieren. Hunger und Unterernährung liegen laut der Studie nicht an fehlenden Ressourcen.

Der Bericht rechnet mit einem Produktionspotenzial von rund 3.000 Kalorien pro Kopf in den genannten Ländern. Dies übertreffe den weltweiten Durchschnitt. Die 15 Länder Argentinien, Brasilien, Chile, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Peru, Venezuela, Barbados, Kuba, Dominika, die Dominikanische Republik, San Vicente und die Grenadinen hätten bereits die Zahl der hungerleidenden Personen um die Hälfte reduziert und andere Länder hätten zumindest Fortschritte im Kampf gegen den Hunger zu verzeichnen.

Allein Brasilien exportiert nach Informationen von Telesur Nahrungsmittel in 180 Länder und ist einer der größten Exporteure von Nahrungsmitteln weltweit.

Zwischen 2010 und 2012 habe die Region 3,6 mal mehr Nahrungsmittel exportiert als importiert. Diese Menge hätte ausgereicht, um die Bewohner selbst zu versorgen und zudem einen Überschuss an Produktion zu exportieren, so der Bericht der FAO und Aladi. Trotzdem importieren weiterhin 18 der 33 Länder mehr Nahrungsmittel, als sie exportieren.

Raúl Benítez, Regionalsprecher der FAO, sieht als Grundlage für weitere Verbesserungen eine Richtungsänderung der Regierungen: "Die Regierungen müssten einen Austausch von Nahrungsmitteln stärken." Preisschwankungen und Spekulation auf dem internationalen Markt seien immer noch Hauptursachen für die unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und für den Hunger in der Region. "Wenn die Länder ihre Kooperation verstärken und den regionalen Handel fördern, hätte das Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Millionen von Menschen. Keine Frau, kein Mann, kein Kind müsste Hunger leiden," so Benítez.

Die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) müsste Anreize schaffen, um die Nahrungssouveränität zu garantieren. Vor allem der zwischen den Celac-Staaten auf dem Gipfel 2015 in Costa Rica vereinbarte Plan zur Ernährungssicherheit wird in diesem Kontext als Instrument erwähnt. Benítez: "Dieser Plan ist ein regionales Abkommen, mit dem Ziel, bis 2025 den Hunger vollständig zu beenden. Ein Weg zum Ziel 'Null Hunger' ist die regionale Integration."

Kritisiert werden als Ursachen für Probleme vor allem die Freihandelsabkommen, als Risikofaktoren werden die Landverteilungs- und Landnutzungskonflikte angeführt. Auch der wirtschaftliche Einfluss der USA sowie Europas  zur Verfolgung eigener Interessen wird kritisiert, dieser sei ein Störfaktor bei der regionalen Integration. Die Arbeitsbedingungen auf dem Land müssten weiter verbessert werden, so landwirtschaftliche Organisationen.

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