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06.12.2015 Guatemala / Menschenrechte

Ex-Sicherheitschef auf der Flucht vor der Justiz in Guatemala

Bergbaukonflikt um Mine El Escobal in San Rafael las Flores

Bergbaukonflikt um Mine El Escobal in San Rafael las Flores

Quelle: facebook.com

Guatemala-Stadt. Der ehemalige Sicherheitschef des Bergbauunternehmens Minera San Rafael, Alberto Rotondo D’all Orso, ist untergetaucht. Er wurde im Jahr 2013 wegen schwerer Körperverletzung und versuchten Mordes angeklagt. Vor einem Monat hob das Verfassungsgericht seinen zweieinhalb Jahre dauernden Hausarrest auf und verfügte Anfang der Woche seine Festnahme. Seitdem ist Rotondo flüchtig.

Am 27. April 2013 hatte Rotondo den Einsatz von Schusswaffen gegen friedlich Demonstrierende angeordnet, die gegen die Mine El Escobal des Bergbauunternehmens Minera San Rafael S.A. protestierten. Dabei wurden sieben Gemeindemitglieder zum Teil schwer verletzt. Drei Tage danach wurde Rotondo verhaftet. Seitdem unterlag er einem Hausarrest unter polizeilicher Bewachung. Mit der Anordnung der Verhaftung entsprach das Verfassungsgericht einer Beschwerde.

Der Bergbaukonflikt begann mit Beginn der Konzessionsvergabe 2013. Im Jahr 2014 war das kanadische Unternehmen Tahoe Resources Besitzer der Konzession. Das Subunternehmen Minera San Rafael übergab die Bewachungsaufgaben an internationale Sicherheitsunternehmen, die vor allem in Aufstandsbekämpfung trainiert sind.

Die gewalttätigen Übergriffe im Zusammenhang mit diesem Konflikt haben in den vergangenen Jahren nicht nachgelassen. Im April 2014 wurden Alex Reynoso, ein Aktivist eines Nachbarbezirks von San Rafael las Flores, und seine Tochter beschossen. Die Tochter starb, der Vater überlebte schwer verletzt. Im Oktober wurde Reynoso erneut angeschossen und schwer verletzt. Er war zuvor vom Sicherheitschef der Minera San Rafael, Rotondo, wegen Morddrohungen angezeigt wurde.

Der Anwalt Pedro Rafael Maldonado Flores vom Juristischen Zentrum für Umwelt und Soziales (CALAS) verteidigt Menschenrechtsaktivisten, unter anderem auch Alex Reynoso. Er erreichte, dass das Verfassungsgericht unter anderem auch die Konzessionierung der Mine El Escobal als unrechtmäßig beurteilte. Trotzdem weigert sich das Bergbauministerium, die Konzessionen für ungültig zu erklären und den Abbau der Mineralien einstellen zu lassen.

Maldonado wird seit der bekannt gewordenen Flucht Rotondos in sozialen Netzwerken massiv bedroht. Die Organisation zum Schutz für Menschenrechtsverteidiger in Guatemala fordert nun die Staatsanwaltschaft und den Ombudsmann für Menschenrechte auf, für Schutz und juristische Aufklärung zu sorgen.

Derweil bleibt Rotondo unauffindbar. Es besteht der Verdacht, dass der ehemalige Sicherheitschef nach Peru, seinem Heimatland geflüchtet ist.

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