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Humanitäre Hilfe wegen Klimaphänomen und Kriegen vor dem Kollaps

Schwerer Verlauf von "El Niño" könnte auch in Lateinamerika verheerende Folgen haben. Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua schon jetzt betroffen

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Fast 22.000 Menschen mussten in Uruguay nach Überschwemmungen in den vergangenen Tagen ihre Häuser verlassen
Fast 22.000 Menschen mussten in Uruguay nach Überschwemmungen in den vergangenen Tagen ihre Häuser verlassen

Berlin. Das sich als extrem abzeichnende Wetterphänomen El Niño im Pazifik setzt das durch zahlreiche Kriege ohnehin schon stark unter Druck stehende internationale System der humanitären Hilfe einer beispiellosen Belastungsprobe aus. Regierungen und Geberländer müssten deshalb mehr in präventive Maßnahmen wie Bodenschutz oder nachhaltige Landwirtschaft investieren. Das hat die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam am Mittwoch in Berlin gefordert.

Oxfam schätzt, dass ohne präventive Maßnahmen weit mehr als zehn Millionen Menschen im kommenden Jahr wegen des Wetterphänomens El Niño Hunger, Wasserknappheit und Seuchen ausgesetzt sein könnten. In manchen Regionen lasse sich eine Notlage wahrscheinlich nicht mehr vermeiden. So geht die Regierung Äthiopiens davon aus, dass 2016 wegen der durch El Nino verstärkten Dürre 10,2 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden. Dies sei mit Kosten von rund 1,4 Milliarden US-Dollar verbunden. Auch in anderen Gegenden verschlechtert sich die Situation zusehends. "Nicht nur in Äthiopien, auch in Haiti und Papua Neuguinea erleben die Menschen die Auswirkungen der globalen Dürre, etwa in Form von Ernteausfällen", erklärte Jane Cocking, Leiterin Humanitäre Hilfe bei Oxfam Großbritannien. "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht handelt, drohen weitere Länder Afrikas und Lateinamerikas in die Krise zu rutschen."

Nach Dürren und anschließenden Überflutungen beziehen in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua bereits jetzt zwei Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfen und die Situation drohe sich ab Januar weiter zu verschlechtern.

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Jane Cocking verwies darauf, dass das System der humanitären Hilfe wegen der Kriege in Syrien, Süd-Sudan, Jemen und anderswo stark unter Druck steht. Laut UN sind weltweit mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Dennoch müssten Regierungen und Geberländer in präventive Maßnahmen zum Schutz vor Dürren, Überschwemmungen oder Unterernährung investieren. Sie verweist darauf, dass dies die Kosten für Nothilfeprogramme um rund 40 Prozent reduzieren kann.

Der El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle sieben bis acht Jahre auftritt, wenn die Ozeane im großen Umfang Hitze an die Atmosphäre abgeben und globale Wettermuster beeinflussen. Forscher sagen voraus, dass besonders intensive El Niños aufgrund des Klimawandels zweimal häufiger als in der Vergangenheit auftreten könnten. Nach Ansicht zahlreicher Klimaexperten könnte der diesjährige (2015/2016) der stärkste seit 1997/98 werden und sich zu einem "Mega-El-Niño" entwickeln. Erst in den vergangenen Tagen mussten mehr als hunderttausend Menschen aus der Grenzregion von Paraguay, Uruguay, Brasilien und Argentinien wegen durch El Niño ausgelösten Überschwemmungen ihre Häuser verlassen.

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