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06.01.2016 Mittelamerika / USA / Soziales

Razzien in den USA gegen Immigranten aus Zentralamerika

Migranten überqueren den unbefestigten Grenzfluss Suchiate zwischen Guatemala und Mexiko

Migranten überqueren den unbefestigten Grenzfluss Suchiate zwischen Guatemala und Mexiko

Quelle: Kathrin Zeiske

Washington/Guatemala-Stadt. Die guatemaltekische Bevölkerung ist besorgt wegen den von den USA angekündigten Razzien gegen undokumentierte Einwanderer. In der letzten Woche des Jahres 2015 hatte die US-amerikanische Behörde für Migration und Grenzkontrolle (ICE) bekannt gegeben, dass Anfang Januar Operationen gegen Migranten mit Ausweisungsbefehl oder einem Strafregister durchgeführt werden.

Bis 3. Januar wurden bereits sechs guatemaltekische Familien in den USA in Abschiebehaft genommen. Durch Familienangehörige von Inhaftierten wurde bekannt, dass sich die Beamten mit Täuschung Einlass in ihre Wohnungen verschafften. Insgesamt wurden am Wochendende mehr als 120 Menschen aus Zentralamerika ohne Dokumente festgenommen und sollen deportiert werden.

Gegen die massive Abschiebeaktion protestieren verschiedene Migrantenorganisationen in den USA und Zentralamerika und verbreiten über soziale Medien Empfehlungen, wie sich Betroffene bei einer drohenden Hausdurchsuchung verhalten sollten und wie sie ihre Rechte wahrnehmen können.

Vielfach wird erwähnt, dass die Deportationen aus den USA im Jahr 2015 um 43 Prozent zurückgegangen seien. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um die "Rückführungen" per Flugzeug direkt aus den USA. Über Land, aus Mexiko waren es 2015 jedoch 63 Prozent mehr Migranten als im Vorjahr. Gemäß dem guatemaltekischen Nationalbüro für Migration (Conamigua) leben in den USA etwa 1,5 Millionen Guatemalteken, davon haben zwischen 300.000 und 400.000 eine Aufenthaltsbewilligung.

Beängstigend ist die hohe Zahl von Minderjährigen, die ohne Begleitung Erwachsener die gefährliche und beschwerliche Reise in die USA unternehmen. 2014 war ein Spitzenjahr: 17.057 guatemaltekische Minderjährige überquerten zwischen Oktober 2013 bis September 2014 die Grenze von Mexiko in die USA. 2015 waren es nur noch 13.589 Kinder und Jugendliche. Dies scheint ein Resultat der großen Rückführungen von zentralamerikanischen Kindern Ende 2014 zu sein sowie der teilweisen Umsetzung des Migrationspakts zwischen den USA und den zentralamerikanischen Ländern Honduras, El Salvador und Guatemala (Plan Alianza para la Prosperidad del Triangolo Norte).

Die neusten Statistiken der Grenzbehörden der USA zeigen jedoch, dass alleine im Oktober 2015 5.000 Kinder die mexikanisch-US-amerikanische Grenze überquerten. Zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November wurden insgesamt 10.588 unbegleitete Minderjährige aus Zentralamerika an der Grenze zu Mexiko festgenommen.

Für das Jahr 2016 zeichnet sich wegen ansteigender Armut und organisierter Kriminalität eine weitere Zunahme der zentralamerikanischen Migration in den verheißungsvollen Norden ab sowie zunehmende Deportationen der USA von undokumentierten Migranten.

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30.07.2014 Nachricht von Johannes Schwäbl