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Historischer Besuch von Papst Franziskus in Kuba und Mexiko

Epochale Versöhnung der christlichen Weltkirchen in Havanna. Kirchenoberhaupt lobt Rolle Castros. Besuch in Mexiko politisch umkämpft

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Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. mit Kubas Präsident Raúl Castro
Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. mit Kubas Präsident Raúl Castro

Havanna. 962 Jahre nach der Spaltung in Ost- und Westkirche sind am Freitag erstmals die Oberhäupter der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche, Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I., in Kuba zu einem Versöhnungsgespräch zusammengekommen.

Nach ihrem zweistündigen Treffen am internationalen Flughafen José Martí in Havanna betonten die beiden Kirchenmänner ihren Willen zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es dazu, sie seien entschlossen "alles, was notwendig ist, zu unternehmen, um die uns überkommenen geschichtlichen Gegensätze zu überwinden." Zudem forderten sie mehr Einsatz gegen die Verfolgung von Christen im Nahen Osten und ein Ende der Gewalt und des Terrorismus im Irak und in Syrien. Als Ort des Treffens wurde Kuba gewählt, ein "Symbol der Hoffnungen der 'Neuen Welt' und der dramatischen Ereignisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts".

Papst Franziskus bedankte sich ausdrücklich beim kubanischen Präsidenten Raúl Castro für seinen Beitrag zum Zustandekommen der Begegnung. "Wenn es so weitergeht, wird Kuba die Hauptstadt der Einheit", so Franziskus am Ende seines zweiten Besuches auf der Karibikinsel. Im Anschluss reiste das katholische Kirchenoberhaupt weiter nach Mexiko.

Der russische Patriarch, der Kuba bereits zum vierten Mal einen Besuch abstattete, erinnerte bei einem Treffen mit Präsident Castro daran, dass "die Völker Russlands und Kubas seit vielen Jahren durch enge Bande der Zusammenarbeit und Freundschaft vereint sind". Kyrill I. traf am Samstag auch mit dem langjährigen Staatspräsidenten und Revolutionsführer Fidel Castro zusammen und wurde mit dem José-Martí-Orden, dem höchsten Kubas, ausgezeichnet, ehe er nach einer Messe am Sonntag weiter nach Paraguay und Brasilien reiste.

In Mexiko wird sich der Papst bis zum 17. Februar aufhalten und die Bundesstaaten Mexiko-Stadt, Estado de México, Chiapas, Michoacán und Chihuahua besuchen. Seine beiden Vorgänger, Johannes Paul II und Benedikt XVI, statteten dem Land ebenfalls Besuche ab. Mit seinen fünf Papst-Mobilen wird er insgesamt 425 Kilometer zurücklegen, 222 Kilometer allein in der mexikanischen Hauptstadt. Dort werden mehrere Hauptverkehrsachsen und Transportrouten teilweise oder ganz gesperrt. 17 Schulen blieben am Tag seiner Ankunft geschlossen Gitter und Wälle säumen die Straßen, die das katholische Oberhaupt benutzen wird, Militärpolizei, Armee und auch die Marine sorgen für seine Sicherheit. Der mediale und öffentliche Fokus ist gänzlich auf ihn gerichtet – wortwörtlich jede Telefonzelle ist mit seinem Konterfei gespickt. Umfragen haben indes ergeben, dass gerade einmal 50 Prozent der Mexikaner sich auf den Geistlichen freuen. Nur 46 Prozent sind davon überzeugt, dass das Land von seinem Besuch profitieren wird.

Auch wenn die mexikanische Regierung alles versucht, interne politische Konflikte in dieser Woche nicht zum Gesprächsthema werden zu lassen, fordern zahlreiche Stimmen ein klare Stellungnahme des Papstes zur gegenwärtigen Situation des Landes. So wünscht sich etwa die Organisation Katholikinnen für das Recht zu Entscheiden (CDD), dass sich Franziskus gegen die Frauenmorde und für die Rechte der Frauen ausspricht. Zumal er mit seinem Besuch in Ecatepec im Bundesstaat México eine Region besucht, die bei der tödlichen sexuellen Gewalt den obersten Platz in Mexiko einnimmt. Die mexikanische katholische Hierarchie hat sich bisher eher durch Schweigen hervorgetan, auch zur systematischen Gewalt mit über 150.000 Toten sein Ende 2006.

Unklar ist, ob sich der Papst zu den mehr als 26.000 gewaltsam Verschwunden äußert und sich mit Angehörigen treffen wird – vor allem mit den Eltern der 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa, die von staatlichen Einheiten und dem organisierten Verbrechen am 26. September 2014 angegriffen und verschleppt wurden.

Auf dem Platz vor der Kathedrale in San Cristóbal de las Casas, Chiapas, haben unterdessen gewaltsam vertriebene Familien der zapatistischen Bewegung und anderer linksgerichteter Organisationen ein Vertriebenenlager errichtet. Es wird jedoch angenommen, dass sie vor dem päpstlichen Besuch von staatlichen Kräften gewaltsam geräumt werden.

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