UNHCR-Vertreterin: Ecuador Vorbild in der Flüchtlingspolitik

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Gemäß Artikel 40 der Verfassung wird kein Mensch auf ecuadorianischem Territorium als illegal angesehen
Gemäß Artikel 40 der Verfassung wird kein Mensch auf ecuadorianischem Territorium als illegal angesehen

Quito. Die Vertreterin des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR), Sonia Aguilar, hat die Politik des südamerikanischen Landes als beispielhaft gewürdigt. "Dass Ecuador in seiner Verfassung das Recht, in einem fremden Land Schutz zu suchen, das Recht auf Mobilität und die rechtliche Gleichstellung mit den Ecuadorianern anerkennt, muss ein Vorbild sein und betont werden" , sagte sie vergangene Woche in Quito.

Nach Angaben des UNHCR beheimatet Ecuador von allen südamerikanischen Ländern die meisten Geflüchteten. Von den 60.000 Personen mit Asylstatus kommen 95 Prozent aus dem benachbarten Kolumbien. Seit Jahrzehnten herrscht dort Krieg zwischen Regierungstruppen, Paramilitärs und Guerillagruppen. Aber auch die Bekämpfung von Koka-Plantagen mit dem giftigen Glyphosat durch die Regierung hat viele zur Flucht gezwungen. Darüberhinaus haben Menschen aus 70 weiteren Nationen, darunter Afghanistan, Irak und Syrien, in Ecuador Asyl bekommen.

Das südamerikanische Land erkennt Flüchtlingen nicht nur ihren Status zu, sondern gibt ihnen die gleichen Rechte wie Inländern: Gemäß Artikel 40 der Verfassung wird kein Mensch auf ecuadorianischem Territorium als illegal angesehen. Anerkannte Geflüchtete dürfen ebenso wie Ecuadorianer arbeiten und kostenlose staatliche Dienstleistungen in Bildung und Gesundheitswesen in Anspruch nehmen.

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Diese Politik stellt das Land auch vor Herausforderungen. Die Invesititionen in Bildung, Gesundheit und Arbeit liegen bei jährlich 40 Millionen US-Dollar, informierte die Regierung. Neben gesellschaftlichen Organisationen kooperieren das UNHCR und die Deutsche staatliche Organisation für Entwicklungszusammenarbeit (GIZ) mit den ecuadorianischen Behörden, um die Verfahren für Geflüchtete zu vereinfachen. Auch deren ungleiche Verteilung stellt eine Herausforderung dar, denn fast die Hälfte lebt in der Hauptstadt Quito.

Aber die ankommenden Menschen bringen wie überall auch Chancen für das Land: "Die Geflüchteten leben ganz offensichtlich in außergewöhnlichen Lebensumständen, aber sie haben ihre Erfahrungen, ihre Qualifikationen, sie können arbeiten und haben ihren kulturellen Reichtum", sagte UNHCR-Beamtin Aguilar. "Sie als Personen anzusehen, die etwas zu diesem Land und zu seiner Entwicklung beitragen können, das wollen andere Länder vielleicht noch nicht sehen."

Während Europa sich immer mehr von Schutzsuchenden aus dem Süden abschottet, verfolgt Ecuador eine Politik der offenen Türen für Geflüchtete. Die ecuadorianische Vizeministerin für Migration, María Landázuri, drückte ihre tiefe Besorgnis über die Lage der Flüchtlinge in der Europäischen Union aus. Die Migrationspolitik der EU-Mitgliedsstaaten kriminalisiere Personen, die Asyl und Schutz brauchten.

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