Mexiko / Menschenrechte

Streit um neues Gutachten der Regierung in Mexiko im Fall Iguala

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Protestaktion der Eltern der Verschwundenen im Bundesstaat Tamaulipas
Protestaktion der Eltern der Verschwundenen im Bundesstaat Tamaulipas

Mexiko-Stadt. In Mexiko soll im Zuge der Ermittlungen zu 43 im September 2014 verschwundenen Lehramtsstudenten ein drittes Gutachten erstellt werden. Untersucht werden soll die angebliche Verbrennung der Opfer auf einer Müllkippe in der Ortschaft Cocula im mexikanischem Bundesstaat Guerrero. An dieser neuen Analyse wird eine unabhängige Expertenkommission (GIEI) mitarbeiten. Das hat die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft (PGR) in einem Kommuniqué am 28. Februar bekannt gegeben. 

Die Zusammenarbeit zwischen GIEI und PGR besteht darin, die Ziele und die Rahmenbedingung des neuen Gutachtens festzulegen. Zudem sollen sich beide Gremien auf die Auswahl der beteiligten Sachverständigen und die Methodologie des Gutachtens einigen.

Die Sachverständigen müssen vor dem 31. März ihre Ergebnisse an die PGR und an die GIEI abgeben. Diese werden dann ihren eigenen Bericht erarbeiten, heißt es seitens der PGR.

Das inzwischen dritte Gutachten wurde auf Initiative der PGR in Auftrag gegeben, obwohl ein argentinisches Forensikerteam mittels Aufnahmen von Satelliten, der Wetterlage am Tag des Geschehens und Ermittlungen vor Ort bereits im Januar festgestellt hat, dass die jungen Männer unmöglich hätten verbrannt werden können.

Die Lehramtsstudenten wurden in der Nacht von 26. zum 27. September 2014 von Bundespolizisten in Iguala, Guerrero, verschleppt und sind seitdem verschwunden. Der damalige Generalstaatsanwalt, Murillo Karam, erklärte drei Monate nach dem Ereignis, dass die 43 jungen Männer in der Müllkippe von Cocula von drei Mitgliedern der Drogenbande Guerreros Unidos ermordet und verbrannt worden seien und bezeichnete diese Erklärung als "historische Wahrheit". Diese Darstellung erwies sich jedoch als unhaltbar.

Das Mitwirken der GIEI an der neuen Analyse kam auf Druck der Eltern der Verschwundenen zustande. Wegen der schleppenden Ermittlungen vertrauen sie der PGR nicht mehr. Die Eltern fordern nach wie vor eine Befragung des 27. Militärbataillons, das die Angriffe auf die Studenten zumindest billigend in Kauf genommen hat.

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