Mexiko: Minimale Fortschritte im Fall der verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa

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"Wo sind sie?" Plakat für die virtuelle globale Protestaktion
"Wo sind sie?" Plakat für die virtuelle globale Protestaktion

Mexiko-Stadt. Die Eltern, der seit 2014 verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa haben zu den neuen Ereignissen im Fall ihrer 43 Kinder Stellung genommen.

Sie berichten, dass die sechs menschlichen Überreste, die Anfang März in den Gemeinden Cocula und Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero gefunden wurden, derzeit von der Universität Innsbruck in Österreich analysiert werden.

Weiterhin teilen sie mit, dass erst nach Monaten, am 17. März 2020, ein internationaler Haftbefehl gegen Tomás Zerón de Lucio, den damaligen Leiter der Bundeskriminalpolizei erlassen wurde. "Dabei hat die Generalstaatsanwaltschaft um die Kollaboration von Interpol ersucht", heißt es in dem Kommuniqué. Zerón de Lucio war auch einer der Autoren, der "historischen Wahrheit", der offiziellen Erklärung zu dem Fall der 43 verschwundenen Lehramtsstudenten. Demnach sollen drei Mitglieder der kriminellen Gruppe Guerreros Unidos die jungen Männer entführt und in einer Müllkippe der Gemeinde Cocula lebend verbrannt haben. 2016 hat das Experten-Team der Interamerikanischen Menschenrechtskommission diese Erklärung in zwei Berichten detailliert widerlegt.

Damals schlug das sechsköpfige Team andere Ermittlungslinien vor, darunter die Untersuchung der passiven Beteiligung des 27. Militärbataillons an dem Verbrechen; eine Inspektion der Handys der heute Verschwunden, denn Tage danach wurden Anrufe registriert. Auch die Ermittlungen über mutmaßlichen Drogentransporte, in den von den Lehramtsstudenten gekaperten Reisebussen müssten aufgenommen werden. Die mexikanische Regierung hat bis heute in keiner dieser Richtungen ermittelt.

Weiterhin berichten die Eltern, dass drei Beamte festgenommen worden seien. Sie werden beschuldigt, eine Person bei der Vernehmung gefoltert zu haben, damit diese sich zum Mittäter bei dem Verschwindenlassen der jungen Männer erklärt. Zwei der Beschuldigten waren zu dem Zeitpunkt des Geschehens Mitarbeiter der Bundeskriminalpolizei, der dritte ist Marinesoldat.

Die Eltern beklagen, dass alle diese Maßnahmen nur minimale Fortschritte gebracht haben und es nach 67 Monaten immer noch keine konkreten Hinweise über den Verbleib ihrer Kinder gibt. "Wir sagen Ihnen, dass uns nichts aufhalten wird, weiter nach unseren Kindern zu suchen, egal was passiert", betonen sie in ihrer Stellungnahme.

Die 43 jungen Männer waren in der Nacht zum 27. September 2014 in der kleinen Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero von Bundespolizei angegriffen und verschleppt worden. Bis heute fehlt von ihnen jede Spur. Seitdem protestieren die Angehörigen an jedem 26. des Monats. Die globale Protestaktion findet aufgrund der Covid-19-Pandemie virtuell statt. Die Eltern haben alle Bürger eingeladen, sich mit einem Foto oder Banner in den sozialen Medien solidarisch zu äußern.

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