Forderungen nach Ende von Gewalt an Frauen in Lateinamerika

Aktivistinnen und Aktivisten forderten am 8. März besseren Schutz von Frauen. Auch legale Abtreibungen und ökonomische Gleichstellung im Fokus

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Aktivisten in Madrid, Spanien, erinnern an Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika
Aktivisten in Madrid, Spanien, erinnern an Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika

Tegucigalpa u.a. Am internationalen Frauentag sind auch in diesem Jahr am 8. März weltweit Menschen auf die Straße gegangen, um für Gleichberechtigung und Stärkung der Rechte von Frauen zu demonstrieren. In Lateinamerika fanden zahlreiche Demonstrationen und Aktionen von unabhängigen, feministischen Organisationen und Initiativen statt. In mehreren Ländern und Städten standen diese Proteste im Zeichen des Mordes an der honduranischen Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres. Die Feministin war in der Nacht vom 2. auf den 3. März in ihrem Haus ermordet worden, was weltweit für Entsetzen sorgte. Die Forderung nach Gerechtigkeit und Aufklärung dieses Mordes standen am Weltfrauentag für viele Aktivistinnen im Vordergrund.

In Tegucigalpa forderten hunderte Frauen von der Regierung eine internationale Kommission zur Aufklärung des Mordes an Cáceres. Mit Fotos, Schildern und Kerzen erinnerten sie an diesem Tag einmal mehr an die mutige Umweltaktivistin.

In der nicaraguanischen Hauptstadt Managua gingen tausende Aktivistinnen und Aktivisten aus feministischen Initiativen und Menschenrechtsorganisationen auf die Straße und forderten "Frieden, Freiheit und ein Leben ohne Gewalt". Zentral war auch hier das Gedenken an Cáceres sowie an hunderte Frauen, die in Nicaragua ermordet worden sind. Konkret wurde die Aufarbeitung dieser Verbrechen gefordert und die Straflosigkeit der Täter kritisiert. Die Demonstration wurde auf der Hälfte von Polizeitruppen gestoppt, so dass die Teilnehmer ihre Abschlusskundgebung nicht wie geplant durchführen konnten.

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In Mexiko-Stadt fanden an dem Tag mehrere Veranstaltungen statt. Eine von einem breiten Bündnis organisierte Demonstration sozialer und frauenpolitischer Organisationen zog zum Hauptplatz Zócalo. Hauptthema der Demonstrantinnen waren die Forderungen nach dem Ende von Gewalt an Frauen. Es kamen Teilnehmer aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, um soziale Rechte und sexuelle Selbstbestimmung einzufordern. Wirtschaftliche Ungleichbehandlung, Sicherheit, Bildungszugang, Gerechtigkeit und Gewalt gegen Frauen – in der schlimmsten Form die sogenannten Feminizide, also die gezielte Ermordung von Frauen – wurden aus feministischer Perspektive thematisiert. Auch in vielen anderen mexikanischen Städten fanden feministische Aktivitäten statt. Oft wurde auf kreative Weise, wie zum Beispiel durch Straßentheater, auf die dramatische Zahl von Feminiziden sowie Gewalt an Frauen hingewiesen,

In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá beteiligten sich mehrere hundert Frauen am "Slutwalk", einer Aktionsform, die die Täter-Opfer-Umkehr im Umgang mit  Vergewaltigungen angreift. Oft werden Opfer aufgrund ihrer Kleidung oder ihres Aussehens für Übergriffe mitverantwortlich gemacht. In Bogotá gingen Frauen selbstbewusst auf die Straße und skandierten Parolen wie "Puta, pero no la tuya" (Hure, aber nicht Deine Hure).

Auch in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires fand eine Massendemonstration statt. Tausende Frauen aller Altersklassen gingen dort auf die Straße und fanden sich zum Abschluss auf dem zentralen  Plaza de Mayo ein. Auch auf dieser Demonstration stand das Thema der Gewalt an Frauen sowie Forderungen nach der Aufklärung von Feminiziden im Fokus. Die Namen der zwei jungen Frauen, die Ende Februar in Ecuador tot aufgefunden worden waren, waren oft auf Schildern zu lesen. Aber auch die Forderungen nach legaler Abtreibung und ökonomischer Gleichstellung waren präsent.

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