Erste Erfolge der Proteste nach Mord an Berta Cáceres in Honduras

Festgenommener Umweltaktivist frei. Weitere Investoren ziehen sich aus umstrittenem Wasserkraftwerk zurück. Siemens und Voith liefern weiter Turbinen

Tegucigalpa. Nach einer erfolgreichen Eilaktion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist Gustavo Castro Soto, einziger Zeuge der Ermordung der Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres in Honduras, nach Mexiko zurückgekehrt. Cáceres war in der Nacht vom 2. auf den 3. März in ihrem Haus in Honduras getötet worden. Seitdem hatte die honduranische Regierung mehr als 100.000 Briefe erhalten, in denen die Freilassung von Castro gefordert wurde. Der Umweltaktivist wurde von der Polizei des mittelamerikanischen Landes 24 Tage in der Stadt La Esperanza festgehalten und verhört. Nachdem er bei dem Mordanschlag verletzt worden war, wurde er von der Polizei massiv unter Druck gesetzt – offenbar, um einen Täter aus dem Umfeld der indigenen Organisation COPINH zu präsentieren, die Berta Cáceres leitete.

Gleichzeitig zog sich ein weiterer Investor des von COPINH kritisierten Wasserkraftwerks Agua Zarca vorläufig aus der Finanzierung zurück. Der Direktor der Zentralamerikanischen Bank für Ökonomische Integration aus Costa Rica (BCIE), Alberto Cortés, kündigte am 1. April an, dass die Bank alle Zahlungen suspendiert, um das Projekt zu prüfen. Die BCIE folgte damit der Entscheidung der holländischen Entwicklungsbank FMO und der finnischen Bank Finnfund. Sie reagierten damit auch auf eine Petition auf der Plattform Change.org, die die costaricanische Umweltorganisation Bloque Verde initiiert hatte. Die deutschen Firmen Voith und Siemens halten trotz zahlreicher dokumentierter Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Agua Zarca an der Lieferung von Turbinen für das Wasserkraftwerk fest.

Berta Cáceres hatte sich zuletzt gegen Agua Zarca engagiert und in diesem Zusammenhang zahlreiche Morddrohungen erhalten. Vertreter der indigenen und sozialen Bewegungen in Honduras sowie ihre Familie vermuten daher die Täter im Umfeld der verantwortlichen Firma DESA. Erst zehn Tage nach dem Mord wurden laut Staatsanwaltschaft der Firmensitz der DESA durchsucht, Waffen und Dokumente beschlagnahmt sowie Zeugenaussagen aufgenommen. Inzwischen wurde auch bekannt, dass der leitende Staatsanwalt, José Arturo Duarte Portillo, berufliche und private Verbindungen zu der Kanzlei besitzt, welche die DESA juristisch berät. Menschenrechtsorganisationen in zahlreichen Ländern fordern daher neben einer unabhängigen internationalen Untersuchung des Todes von Cáceres unter der Leitung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) auch den sofortigen Stopp des Baus von Agua Zarca.

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Die honduranische Regierung präsentierte zum Mord an Cáceres bisher weder ein forensisches Gutachten noch Tatverdächtige. Der Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung unter Leitung der CIDH kommt sie nicht nach. Bisher soll die Regierung ausschließlich mit der US-Bundespolizei FBI zusammengearbeitet haben. Am 2. April beantragte sie die Unterstützung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) bei den Ermittlungen. Im Fall von Nelson García, ebenfalls ein leitendes Mitglied von COPINH, der nur zwölf Tage nach Cáceres ermordet wurde, präsentierten die Behörden Ende März einen Tatverdächtigen. Tomás Gomes, Interimskoordinator von COPINH, bezweifelte jedoch öffentlich dessen Beteiligung an der Tat.

Auch der Forderung zahlreicher internationaler Organisationen nach Schutzmaßnahmen für die Familieangehörigen von Berta Cáceres und die Mitglieder von COPINH kommt die Regierung bisher nicht nach. Ihre älteste Tochter, Olivia Marcela Zúniga Cáceres, berichtete im Interview mit der Menschenrechtsorganisation Defensores en Linea, dass sie von Bewaffneten verfolgt werden, während dieselben Polizeibeamten für ihren Schutz zuständig sind, die zuvor die Sicherheit ihrer Mutter garantieren sollten.

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