Peru / Politik / Menschenrechte

Offener Brief gegen Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori in Peru

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Keiko Fujimori in Senat von Peru
Keiko Fujimori in Senat von Peru

Lima. In Peru haben einhundertvierzig Historiker einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie sich gegen die Wahl von Keiko Fujimori, Kandidatin der rechtsliberalen Partei Fuerza Popular und Tochter des verurteilten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, aussprechen. "Unserer Meinung nach würde ein Wahlsieg Fujimoris einen Rückschritt für Peru bedeuten", bekräftigten die Akademiker auf Facebook.

Die Historiker warnen vor einer Rückkehr zum autokratischen Regierungsstil, wie er während der zehn Amtsjahre Alberto Fujimoris (1990-2000) von der Regierung ausgeübt wurde. Sie äußern auch Bedenken, dass Keiko Fujimori die strafrechtliche Verfolgung von Verbrechen aus der Ära ihres Vaters aussetzen könnte. Sollte sie die Wahl gewinnen, hätte sie zudem die Parlamentsmehrheit auf ihrer Seite. Dazu die Geschichtsexperten: "Viele Spitzenpolitiker der Fuerza Popular sehen sich Verdächtigungen ausgesetzt, die uns an die Regierungszeit von Alberto Fujimori erinnern, eine Zeit, in der die Demokratie stark gelitten hat und verantwortungslos mit den Ressourcen des Landes umgegangen wurde." Damit ist offenbar unter anderem Joaquín Ramírez, der ehemalige Generalsekretär der Fuerza Popular, gemeint. Erst kürzlich wurden Vorwürfe laut, dass dieser im Auftrag von Keiko Fujimori 15 Millionen US-Dollar Schwarzgeld für den damaligen Präsidentschaftswahlkampf 2011 gewaschen haben soll.

Die Historiker sehen weiterhin die Menschenrechte in Gefahr und prophezeien: "Wenn Keiko Fujimori zur nächsten Präsidentin von Peru gewählt wird, werden die Bürger, der Staat und die Zivilgesellschaft der Mafia und dem Drogenhandel ausgeliefert sein und es alles, was wir seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 2001 erreicht haben, wird zerstört werden."

Der Brief ist exakt zwei Wochen vor der Stichwahl am kommenden Sonntag zwischen Fujimori und Pedro Pablo Kuczynski von der ebenfalls konservativen und wirtschaftsliberalen Partei Peruanos por el Cambio veröffentlicht worden. Am selben Tag fand ein Fernsehduell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten statt, das am heutigen Sonntag in die zweite Runde gehen wird. Den letzten Umfragewerten zufolge konnte Kuczynski seinen Rückstand beim ersten Wahlgang Anfang April aufholen und liefert sich derzeit mit Fujimori bei 41,6 zu 46,1 Prozentpunkten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Es gilt vor allem, die noch unentschlossenen Wähler zu überzeugen.

Im Fernsehduell in der vergangenen Woche präsentierte sich Fujimori Beobachtern zufolge selbstsicher, angriffslustig und schlagfertig. Kuczynski war seiner Widersacherin zwar zeitweise verbal unterlegen, konnte jedoch mit guten Argumenten aufwarten.

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