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Kleinbauern in Kolumbien in unbefristetem Streik

Seit Montag demonstrieren landesweit Zehntausende in Kolumbien

Seit Montag demonstrieren landesweit Zehntausende in Kolumbien

Quelle: flickr.com

Bogotá. Seit Montag befinden sich tausende Bäuerinnen und Bauern, Indigene und Angehörige afrokolumbianischer Gemeinden in einem unbefristeten Streik gegen die Politik der kolumbianischen Regierung. Im ganzen Land versammelten sich die Protestierenden an strategischen Knotenpunkten mit dem Ziel, die Hauptverkehrsstraßen des Landes zu blockieren. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei in der Region Valle del Cauca kam ein Protestierender ums Leben.

Der vom Zusammenschluss kleinbäuerlicher und indigener Organisationen, "Cumbre Agraria, Campesina, Étnica y Popular", ausgerufene Streik kritisiere die Haltung der politischen Eliten gegenüber den ländlichen Sektoren des Landes, heißt es im Aufruf. Es interessiere die Regierung nicht, ob ihre auf den Bergbau und andere extraktive Aktivitäten ausgerichtete Wirtschaftspolitik die Lebensumstände der Bevölkerung verschlechterten. Zudem würden die zu einem großen Teil vom bewaffneten Konflikt betroffenen Bäuerinnen und Bauern, Indigenen und afrokolumbianischen Gemeinden nicht in den laufenden Friedensprozess miteinbezogen. Die Streikenden fordern ferner das Ende der Bergbauprojekte, die Anerkennung der Bauernschaft als Rechtssubjekt sowie den effektiven Schutz der Menschenrechte.

Bereits in den Jahren 2013 und 2014 war es im ländlichen Raum Kolumbiens zu massiven Protestaktionen und Streiks gekommen, die teilweise das Land lahmlegten und zu Versorgungsengpässen in den urbanen Zentren führten. In der Folge trat die Regierung in einen Dialog mit den Vertretern der ländlichen Gemeinden und ging zum Teil auf ihre Forderungen ein. Diese Beschlüsse seien nicht eingehalten worden, kritisiert der "Cumbre Agraria" in seinem Aufruf, weshalb man nun für neue Verhandlungen kämpfe.

Bereits am Dienstag kam es Medienberichten zufolge in 18 Departements des Landes zu mehr als 100 Blockaden. Zeitgleich begannen in den großen Städten Protestaktionen. In der Hauptstadt Bogotá richtete sich der Protest zu einem großen Teil gegen die am Montag beschlossene Privatisierung des Telekommunikationskonzerns ETB und gegen den Regierungsplan des Bürgermeisters Enrique Peñalosa.

Mit der Intensivierung der Mobilisierung zum Agrarstreik verstärkt sich auch die Reaktion der kolumbianischen Regierung. So wurde mehrfach über Aggressionen gegenüber den Protestierenden durch Polizei, Angehörige des Militärs sowie die Aufstandsbekämpfungseinheit "Esmad" berichtet. Bereits am Montagmorgen kam es an einem Blockadepunkt nahe der Hafenstadt Buenaventura am Pazifik zu Übergriffen dieser Einheit auf die Protestierenden. Dabei kam der 26-jährige Indigene Willington Quibarecama Nequirucama ums Leben. Nach Angaben des Zusammenschlusses indigener Gemeinden des Valle del Cauca (Aciva) verstarb der Aktivist nachdem er von einem gepanzerten Fahrzeug überfahren wurde und infolge dessen von einer Brücke stürzte. Ferner wurden bei Aktionen der Polizei vier Menschen teilweise schwer verletzt.

In der Region Cauca erwarteten am Dienstag 3.000 Indigene, die im Regionalen Rat der Indigenen des Cauca (CRIC) organisiert sind, die Ankunft von vier Ministern um über ihre Forderungen zu verhandeln. Sollten die Regierungsvertreter nicht erscheinen, werde die Straße zwischen Popayán und Cali blockiert, so die Sprecher der Organisation.

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