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09.10.2016 Kuba / Soziales / Umwelt

Kuba nach dem Sturm

In Baracoa sollen mehr als 90 Prozent der Dächer von Sturmschäden betroffen sein

In Baracoa sollen mehr als 90 Prozent der Dächer von Sturmschäden betroffen sein

Quelle: Juvenal Balán

Baracoa. Nachdem Hurrikan Matthew mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern durch den Ostzipfel Kubas gezogen ist, verharren noch immer zehntausende Menschen in den Notunterkünften. Zwar gab es in Kuba keine menschlichen Verluste, jedoch hinterließ der Sturm in den östlichen Provinzen des Landes eine Schneise der Verwüstung, zahlreiche Familien verloren ihre Häuser.

In der Stadt Baracoa sollen mehr als 90 Prozent der Dächer von Sturmschäden betroffen sein. Matthew traf am Dienstag in Punta Caleta in der Provinz Guantánamo an Land und verließ die Insel am Morgen des 5. Oktober in der Nähe von Baracoa wieder. Die Stadt war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten und nur über den Luftweg zu erreichen. Die Internetverbindung funktionierte, das Telefon-, Rundfunk- und Fernsehnetz kollabierte.

Während die große Mehrzahl der 1,3 Millionen Kubaner, die im Vorfeld des Sturms evakuiert wurden, bereits in ihre Häuser zurückkehren durfte, sieht die Lage für die Menschen in den betroffenen Gebieten Guantánamos schwieriger aus. Allein in Baracoa wurden über 35.000 Personen evakuiert, die nun erst einmal auf den Wiederaufbau der Infrastruktur warten müssen. Bereits am Mittwoch trafen die ersten technischen Brigaden ein, um an der Wiederherstellung von Strom- und Trinkwasserversorgung zu arbeiten. Behörden des Landes und des Gebiets machten sich am Donnerstag daran, die Hauptortschaft des Kreises Maisi auf dem Luftweg zu erreichen, um die Wiederaufbauarbeiten zu unterstützen und die Verbindung über Land wieder herzustellen. Beschädigte Brücken und Straßenabschnitte verhinderten, dass Hilfskräfte und Ressourcen die vom Hurrikan Geschädigten erreichen. Daher habe deren Reparatur oberste Priorität, erklärte der stellvertretende Minister der Revolutionären Streitkräfte, Armeekorpsgeneral Ramón Espinosa im Verteidigungsrat des Kreises.

Im Kreis Maisi wurden nahezu alle Häuser zerstört oder beschädigt

Im Rest des Landes kehrt indes wieder Normalität ein. Busse und Züge haben ihren Betrieb wieder aufgenommen. In Santiago de Cuba haben nach einigen Aufräumarbeiten am Freitag die Schulen wieder geöffnet. Außerhalb der Provinzen Guantánamo und Holguín wurden bisher keine nennenswerten Schäden berichtet. Bis das ganze Ausmaß der Katastrophe bekannt wird, dürfte es allerdings noch einige Tage dauern.

Der kubanische Katastrophenschutz hat sich auch im Falle von Hurrikan Matthew bewährt. Präsident Raúl Castro koordinierte die Vorbereitungen persönlich von Santiago de Cuba aus.

Am Freitag hat die kubanische Regierung bekannt gegeben, dass 38 Spezialisten für Katastrophenmedizin und Epidemien der internationalen Brigade Henry Reeve ins benachbarte Haiti entsandt wurden. Sie werden die 600 bereits dort arbeitenden kubanischen Ärzte bei der Versorgung der Bevölkerung unterstützen. In Haiti kamen im Verlauf des Wirbelsturms laut einer Regierungsquelle mindestens 800 Menschen ums Leben, an der Küste wurden bis zu 80 Prozent aller Behausungen und Anbauflächen zerstört.

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Im Kreis Maisi wurden nahezu alle Häuser zerstört oder beschädigt

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