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Hauptverdächtiger im Mordfall an bolivianischen Minister gefasst

Vize-Innenminister Rodolfo Illanes wurde am 25. August von streikenden Bergarbeitern ermordet

Vize-Innenminister Rodolfo Illanes wurde am 25. August von streikenden Bergarbeitern ermordet

Quelle: www1.abi.bo

La Paz. Der Hauptverdächtige im Prozess um den Mord an Boliviens Vize-Innenminister Rodolfo Illanes, Ángel Aparaya, ist am vergangenen Mittwoch in der Ortschaft Viloco, 180 Kilometer südlich von La Paz, gefasst worden. Auf Anordnung eines Gerichts wurde er in das Hochsicherheitsgefängnis Chonchocoro im Westen des Landes gebracht. Aparaya wird beschuldigt, Vize-Innenminister Illanes am 25. August bei Auseinandersetzungen zwischen der Vereinigung der Bergbaukooperativen (Fencomin) und der bolivianischen Polizei, gemeinsam mit anderen Fencomin-Mitgliedern entführt, gefoltert und anschließend getötet zu haben.

Dem Mord sei der Tod von Aparayas Cousin Rubén bei den Auseinandersetzungen vorausgegangen, die Tat deshalb als Vergeltungsmaßnahme anzusehen, so die Staatsanwaltschaft. Aparaya gibt zu, bei den Protesten anwesend gewesen zu sein, bestreitet jedoch jegliche Verbindung zu dem Verbrechen.

Illanes sollte zwischen der Regierung und den Bergarbeitern vermitteln. Letztere zeigten sich nicht einverstanden mit dem Anfang August verabschiedeten Gesetz, laut dem Vertragsschließungen zur Ressourcenausbeutung mit privaten Unternehmen einer Erlaubnis durch Regierungsbehörden bedürfen. Eine weitere Gesetzesänderung, die Gewerkschaftsbildungen in Bergbaukooperativen verpflichtend machen soll, lehnt Fencomin ebenfalls ab. Im August kam es deshalb zu Straßenblockaden und Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Bei diesen Protesten wurde der Vize-Innenminister zunächst als Geisel genommen, um verhaftete Bergarbeiter freizupressen. Noch am 25. August versicherte der Vizepräsident, er habe "keine Misshandlungen erfahren". Am darauffolgenden Tag wurde seine Leiche auf der Straße zwischen La Paz und Oruro nahe der Ortschaft Vilaque aufgefunden.

Präsident Evo Morales legte daraufhin alle Gespräche mit den Bergarbeitern auf Eis. Anfang dieser Woche verkündete er jedoch die Wiederaufnahme eines Dialogs. Dies geschehe auf Wunsch des Vorsitzenden der Fencomin im Sektor Sur Atocha de Potosí, Severino Cachi. Morales bedankte sich bei den Minenarbeitern "dafür, dass ihr den Dialog fordert. Wir werden ihn wiederaufnehmen." Es seien letztendlich nur kleine Gruppen gewesen, die einen großen Teil der Demonstranten "benutzt" hätten.

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