Erste indigene Regionalregierung in Bolivien eingesetzt

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Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera bei der Amtseinführung der ersten autonomen indigenen Regierung in Charagua
Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera bei der Amtseinführung der ersten autonomen indigenen Regierung in Charagua

La Paz. Im bolivianischen Charagua im Departamento Santa Cruz ist die erste autonome indigene Regierung eingesetzt worden. Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera nahm an der Amtseinführung der 47 Personen teil, die in Zukunft die Angelegenheiten der in der Region lebenden Guaraní regeln sollen.

Die indigene Regierung setzt sich aus einem Mechanismus der kollektiven Entscheidung (Ñemboati Reta), der als soziale Kontrolle dienen soll, sowie aus  der legislativen und der exekutiven Gewalt zusammen. Die Amtsinhaber werden alle drei bis fünf Jahre durch verschiedene Konsultationen, Versammlungen und auf Basis der Praktiken und Gewohnheiten der Guaraní gewählt. Finanziert wird die neue Regierungsform durch Abgaben der Guaraní in der Region, durch Gelder des Instituts für menschliche Entwicklung (IDH) und staatliche Förderprogramme.

Die Autonomie indigener Gemeinschaften wird als eine Form von Selbstverwaltung durch die bolivianische Verfassung von 2009 ermöglicht. Zudem ist sie durch das nationale Gesetz über die Rahmenbedingungen der Autonomie und Dezentralisierung sowie durch das von Bolivien ratifizierte Übereinkommen 169 der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über "eingeborene und in Stämmen lebende Völker" garantiert.

García Linera bezeichnete die Veranstaltung in Charagua als historischen Akt und betonte, dass die indigene Regierung die erste ihrer Art auf der ganzen Welt sei. "Sieben Jahre nach Inkrafttreten der politischen Verfassung des Staates ist dies das erste Beispiel indigener Autonomie, welches mit großen Opfern und viel Leid und Diskriminierung verbunden ist. Es war nicht einfach zu dieser neuen Regierungsform zu gelangen", so García Linera: "Diejenigen, die von der Autonomie gesprochen haben, wurden verfolgt, sie wurden bedroht, sie wurden geschlagen."

Der bolivianische Vizepräsident bat die neue indigene Regierung daher auch, ein Vorbild dieser neuen Form der Demokratie zu sein, damit sie sich in anderen Regionen des Landes und der Welt wiederholen lasse. Allein in Bolivien sind zurzeit 33 weitere Prozesse indigener Selbstverwaltung in der Vorbereitung.

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