Chile / Wirtschaft / Umwelt

Chile will Produktion von Lithium steigern

Nach fallenden Kupferpreisen setzt Regierung auf das Alkalimetall. Nachfrage wegen Stromspeicherung in Elektroautos. Größter Markt ist China

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Der "Salar de Atacama" besteht aus einer harten, rauen, weißen Schicht Salz verunreinigt mit Wüstensand. Darunter befindet sich eine lithiumhaltige Sole
Der "Salar de Atacama" besteht aus einer harten, rauen, weißen Schicht Salz verunreinigt mit Wüstensand. Darunter befindet sich eine lithiumhaltige Sole

Santiago de Chile. Die chilenische Regierung plant die Steigerung der Lithiumproduktion. Dadurch sollen neue Investoren ins Land gelockt und die globale Nachfrage nach dem Rohstoff befriedigt werden. Insbesondere durch die zunehmende Entwicklung von Elektroautos wird das Leichtmetall wichtiger denn je. Umweltschützer warnen hingegen vor schweren Umweltschäden durch den Abbau des Lithiums für die vermeintlich als sauber und ökologisch geltende Elektromobilindustrie. 

Im globalen Maßstab werden 35 Prozent des produzierten Lithiums für Batterien und Akkumulatoren genutzt. Einen der zukunftsträchtigsten Märkte in diesem Bereich stellt sicher der Automobilmarkt dar. Zwar ist der Anteil an Elektromotoren auf den Straßen der meisten Länder noch äußerst gering, doch die Verkaufszahlen von Hybrid- und Elektroautos wachsen rasant. So baut China derzeit seine entsprechenden Produktionskapazitäten massiv aus. Zudem sollen in der Volksrepublik dieses Jahr 800.000 Elektroautos verkauft werden, 2018 weit über eine Million. Derzeit ist dort eine Quote für die Produktion von Autos mit elektrischen Antrieben in der Diskussion, die schon bald in Kraft treten könnte: Je mehr Elektroautos verkauft werden, umso mehr dürfe ein Hersteller auch Autos mit Verbrennungsmotoren auf den Markt bringen.

Gerade Argentinien, Bolivien und Chile können so auf einen neuen Absatzmarkt bauen. Die drei Länder, die auch als Lithium-Dreieck bekannt sind, besitzen 85 Prozent der globalen Vorkommen.

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Mit den fallenden Kupferpreisen ist Chile, das stark von seinen Kupferexporten abhängig ist, in einer schwierigen Lage. Die Pläne der chilenischen Behörde zur Förderung der Wirtschaft (Corfo), die Produktion von Lithium zu erhöhen, könnte eine Strategie sein, dem entgegenzuwirken. Im chilenischen Atacama-Salzsee werden 25 Prozent der weltweiten Lithiumreserven vermutet.

Dort produzieren derzeit lediglich zwei Unternehmen: Rockwood und SQM. Mit dem transnationalen Unternehmen Rockwood, dem weltweit führender Hersteller von Lithiumverbindungen, konnte die Corfo im Januar ein Abkommen schließen, das dem chilenischen Staat große Zuwendungen zusichere: "Wir haben geschätzt, dass allein in dem Teil des Atacama-Salzsees, der sich unter dem Gebiet von Rockwood befindet, zwischen 2017 und 2043 ein Wert von über drei Milliarden US-Dollar für den Staat herausspringen wird", erklärte Corfo-Vizepräsident Eduardo Bitran. Wenn man weiter in die Zukunft blicke, könnte allein aus diesem Teil des Salzsees mit einem Wert von zehn Milliarden US-Dollar gerechnet werden, so Bitran. Zudem ist in dem Abkommen eine internationale Ausschreibung enthalten, die sich an Investoren richtet, die Lithium im Rahmen von Batterie- und Kathodenerzeugung innerhalb des Landes weiterverarbeiten. Den entsprechenden Investoren würden laut Corfo 25 Prozent des im Rahmen des Abkommens produzierten Lithiums zum Vorzugspreis garantiert.

Indes warnen Umweltschützer, dass das Verfahren zur Gewinnung von Lithium mit hohen Belastungen für die Natur verbunden ist. Für die Batterieherstellung wird Lithiumkarbonat mit einem Reinheitsgrad von 99,95 Prozent benötigt. Im Atacama-Salzsee lagern nach Schätzungen des U.S. Geological Survey, einer wissenschaftliche Behörde im Geschäftsbereich des Innenministeriums der USA, noch Lithium-Reserven von drei Millionen Tonnen. Die Bergwerksgesellschaft hat dort riesige Verdunstungsbecken angelegt. Nachdem ein Großteil des Wassers verdunstet ist, bleibt eine Lösung mit hohem Lithium-Gehalt zurück, die unter Zugabe von Soda in Lithiumkarbonat umgewandelt wird. Laut U.S. Geological Survey könne von den vorhandenen drei Millionen Tonnen technisch bedingt nur rund eine Million Tonnen gewonnen werden, "zum Preis der massiven Zerstörung des Sees".

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