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09.05.2017 Guatemala / Menschenrechte

Straflosigkeit im Mord an Indigenenführer in Guatemala

Die Zeugin und Nebenklägerin Choc bei ihrer Aussage gegen den mutmaßlichen Mörder ihres Mannes

Die Zeugin und Nebenklägerin Choc bei ihrer Aussage gegen den mutmaßlichen Mörder ihres Mannes

Quelle: cmiguate.org

Guatemala-Stadt. Nach einer mehrmonatigen Gerichtsverhandlung ist der mutmaßliche Mörder des Indigenenführers Adolfo Ich Chaman freigesprochen worden. Mynor Ronaldo Padilla Gonzales war zudem schwere Körperverletzung gegen mehrere Personen vorgeworfen worden. Die Taten geschahen, als Padilla als Sicherheitschef der Nickelgesellschaft (CGN) im Auftrag des kanadischen Bergbauunternehmens Hudbay Minerals gegen Proteste von Maya Q’eqchi-Indigenen vorging.

Das Urteil hat unter Menschenrechtsorganisationen und Juristen Kritik ausgelöst. So erklärte Ramón Cadena, Direktor der Internationalen Kommission der Juristen Zentralamerikas: "Dieser Fall zeigt die Straflosigkeit, die in Guatemala herrscht und die Hindernisse, denen die indigenen Völker in den Forderungen für ihre Rechte und Zugang zur Justiz und Gerechtigkeit ausgesetzt sind. In den allermeisten Fällen ist es unmöglich die Wahrheit über Straftaten ans Licht zu bringen, weil mächtige Personen involviert sind und die Richter und Richterinnen diese schützen".

Nach dem Urteilsspruch verlangte die Richterin zudem die strafrechtliche Verfolgung von Angelica Choc, der Frau des Indigenenführers und von German Chub, der bei den Angriffen verletzt wurde – beide traten als Zeugen und Nebenkläger auf – sowie eines Staatsanwaltes wegen "Behinderung des Gerichts und Falschaussagen". Obwohl die Anwälte ein negatives Urteil erwartet hatten, war dies eine unerwartete Wendung. Während des Prozesses gab es nach ihren Angaben zahlreiche Unregelmäßigkeiten, wie den Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch die Urteilsverlesung und das schriftliche Urteil stehen noch aus, obwohl die Richterin dazu innerhalb von fünf Tagen verpflichtet ist.

Angelica Choc sagte bereits vor einigen Monaten, dass es schwierig sei dem guatemaltekischen Justizsystem zu vertrauen. Ihre Anwältin erklärte nach der Urteilsverkündung: "Die Botschaft der Justiz an das Volk der Q’eqchi ist: Wenn ihr versucht Gerechtigkeit zu erlangen, werdet ihr zu Kriminellen gemacht". Choc will in Revision gehen.

Das Gerichtsverfahren in Kanada ist noch hängig: Dort wird der Mord an Adolfo Ich und die Körperverletzung an German Chub sowie die Vergewaltigung von elf Frauen aus der Gemeinde Lote 8 durch das Sicherheitspersonal der Nickelgesellschaft (CGN) immer noch verhandelt.

Indigene Gemeinschaften in Guatemala, die Widerstand gegen Unternehmen aus Agroindustrie und Bergbau auf ihrem Land leisten, berichten immer wieder, dass Kleinbauern, deren Anwälte und Unterstützer kriminalisiert, jahrelang ins Gefängnis gesteckt und sogar getötet werden.

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