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Prozess nach tödlichem Brand in Kinderheim in Guatemala stockt

Ort der Katastrophe in Guatemala – die Brandspuren hinter der Polizeiabsperrung sind noch deutlich sichtbar

Ort der Katastrophe in Guatemala – die Brandspuren hinter der Polizeiabsperrung sind noch deutlich sichtbar

Quelle: CIDH
Lizenz: CC by 2.0

Guatemala-Stadt. In Guatemala ist die juristische Aufarbeitung nach einem verheerenden Brand in einem Kinderheim ins Stocken geraten. In der vergangenen Woche wurde im Fall des Mordes und der Misshandlung von Kindern und Jugendlichen des Heimes Virgen de la Asunción die aufgehobene Untersuchungshaft des Direktors des Heims und von zwei Behördenmitgliedern des Wohlfahrtsinstituts zwar wieder in Kraft gesetzt. Ein Beschwerdegericht hat die Zeit für die Beweisaufnahme jedoch von 6 Monaten auf drei Monate verkürzt. Bis Mitte Juni sollte dieser Prozess abgeschlossen sein.

Am 8. März und in den folgenden Tagen waren 41 Mädchen eines Kinderheims in der Nähe von Guatemala-Stadt während des Brandes und an den Folgen der Katastrophe verstorben. Tags zuvor waren Kinder und Jugendliche nach ihrer Flucht aus dem Heim von der Polizei eingefangen und 56 Mädchen in einen kleinen Raum gesperrt worden. Sie wurden unter Verschluss gehalten, erhielten kein Essen und Trinken und mussten ihre Notdurft auf engstem Raum verrichten. Dann setzte eines der Mädchen eine Matratze in Brand, um den Toilettengang zu erzwingen. Das Feuer breitete sich schnell aus. Die Polizisten öffneten die Türe jedoch nicht und ließen die Mädchen verbrennen.

Das Beweisaufnahmeverfahren gegen die Verantwortlichen der Wohlfahrtsbehörde begann drei Wochen nach dem Brand im Kinderheim. In der vergangenen Woche wurden neun überlebende Mädchen, neun Polizisten und drei Heimarbeiter befragt. Die Gespräche fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Mädchen wurden in einer von den Tätern geschützten Kabine befragt und per Video zugeschaltet. Die Staatsanwaltschaft versicherte, dass noch weitere Personen angeklagt würden.

Bis heute sind immer noch geflüchtete Kinder und Jugendliche nicht auffindbar. Dennoch befinden sich immer noch Minderjährige in der staatlich geführten Einrichtung. Das Register des Heims wurde nachlässig geführt und auch bei der Identifizierung der Opfer sind Fehler passiert. Bereits kurz nach dem Brand wurden Aussagen von betroffenen Mädchen bekannt, die die Polizisten beschuldigen, ihnen die Türe nicht geöffnet, sie beschimpft und geschlagen zu haben. Mindestens zwei Mütter sprechen davon, dass ihre verstorbenen Töchter sich bei ihnen beklagten, dass sie sich innerhalb und außerhalb des Heims prostituieren mussten.

Das staatliche Kinderheim hatte seit Jahren einen schlechten Ruf. Spätestens seit dem letzten Jahr sind Täter von Misshandlungen und Missbrauch namentlich bekannt. Die Anzeigen liegen der Staatsanwaltschaft vor. Allein die Anzahl der Straftaten – von Korruption, Übergriffen, Vernachlässigung bis zu organisiertem Verbrechen – zeigten das Versagen des Staates auf, sagte Leonel Dubón vom Kinderschutzverein Refugio de la Niñez.

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