DruckversionEinem Freund senden

Zweiter Generalstreik binnen weniger Wochen in Brasilien

Mobilisierung für Generalstreik am Freitag – den zweiten seit April in Brasilien

Mobilisierung für den Generalstreik am Freitag – den zweiten seit April dieses Jahres in Brasilien

Quelle: CUT

Brasília. Angesichts einer Rekordarbeitslosigkeit und schwerer wirtschaftlicher Probleme haben Gewerkschaften in Brasilien am Freitag gegen die neoliberale Politik von De-facto-Präsident Michel Temer protestiert. Die Arbeiterverbände hatten bereits zum zweiten Generalstreik in diesem Jahr aufgerufen – nach einem ersten landesweiten und branchenübergreifenden Ausstand am 28. April. Angeheizt wurde die Stimmung zuletzt durch eine massive Zunahme der Arbeitslosigkeit, die derzeit 13,3 Prozent beträgt. In totalen Zahlen bedeutet dies, dass binnen eines Jahres rund 2,3 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer ihre Arbeitsplätze verloren haben.

Beim Streik am Freitag erhöhten die Gewerkschaften nun den Druck. In den Millionenmetropolen São Paulo und Rio de Janeiro blockierten die Demonstranten die Zufahrten zu den jeweiligen Flughäfen, die Autos stauten sich über mehrere Kilometer. Im Zentrum von São Paulo ging die Polizei mit Blendgranaten gegen Protestierende vor, die Straßen blockierten. In der Hauptstadt Brasília kam der öffentliche Transport völlig zum erliegen. Die Regierung riegelte das die Esplanada dos ministérios, eine zentrale Straße, in der zahlreiche Ministerien ihren Sitz haben, vollständig ab. Hier war es im Mai zu Angriffen auf Regierungsgebäude gekommen, woraufhin Temer eine 24-stündige Militärbesetzung der Hauptstadt anordnete.

Am Freitag schlossen sich Angestellte des Bankenwesens, der Erdölindustrie und des Gesundheitswesens dem Streik an. Die Aktionen richteten sich in erster Linie gegen die von Temer anvisierte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Rentenreform mit heftigen Einschnitten. Die geplanten Maßnahmen bedrohen nach Ansicht des Präsidenten des Gewerkschaftsverbandes CUT, Vagner Freitas, eine Reihe von Arbeiterrechten sowie die Ansprüche auf Urlaub und Weihnachtsgeld.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

26.06.2017 Nachricht von Gunda Wienke
24.06.2017 Nachricht von Eva von Steinburg
16.06.2017 Hintergrund & Analyse von Thomas Fatheuer