DruckversionEinem Freund senden

Klima-COP 23: Indigene aus 14 Ländern fordern Waldschutz-Gelder

Indigene fordern Anerkennung ihrer Leistung. Waldschutzpotentialnachgewiesen. Kritik an deutschen Waldschutz-Projekten
Logo des indigenen Bündnisses "Hüter des Waldes"

Logo des indigenen Bündnisses "Hüter des Waldes"

Berlin. Anführer indigener und ländlicher Gemeinden aus 14 Ländern Lateinamerikas und aus Indonesien haben unter dem Hashtag GuardiansOfTheForest (Hüter der Wälder) auf einer Tour durch europäische Hauptstädte vor der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (UN) eine Anerkennung der entscheidenden Rolle von Waldvölkern beim Erhalt der Tropenwälder gefordert. In Brüssel, London, Paris, Amsterdam, Berlin, Köln und Bonn stellten sie Vertretern der UN und nationaler Regierungen neue Studien vor, die ihre Fähigkeit belegen, besser als alle anderen Akteure der Waldzerstörung Einhalt zu gebieten. Ohne den Schutz und die Restaurierung von Wäldern würden die Pariser Klimaziele verfehlt.

Aktuelle Zahlen des Monitoring- und Warnsystems Global Forest Watch belegten, dass die jährliche Waldverlustrate von 2014 bis 2016 um 35 Prozent gegenüber dem Zeitraum von 2011 bis 2013 gestiegen ist. Über ein Viertel der globalen Abholzung betreffen allein Brasilien und Indonesien zur Produktion von Soja, Rindfleisch, Palmöl, Papier sowie aufgrund von illegalem Holzeinschlag und Infrastrukturprojekten. Die Waldzerstörung stieg trotz internationaler Absichtserklärungen im Rahmen der New York Declaration on Forests (NYDF) – einer freiwilligen Erklärung von 2014 von über 190 Staaten mit dem Ziel, die globale Abholzung bis 2020 zu halbieren und bis 2030 gänzlich aufzuhalten.

Das Woods Hole Research Center belegte die immensen Kohlenstoffmengen, die Tropenwälder absorbieren könnten, wenn indigene Völker beim Erhalt ihrer Wälder unterstützt würden. So wiesen Wissenschaftler den entscheidenden Beitrag traditionellen Wissens und der Praktiken lokaler und indigener Völker zum Walderhalt Amazoniens nach: die Zerstörung fand zu 83 Prozent außerhalb indigener Territorien und Naturschutzgebiete statt.

Die salvadorianische Stiftung PRISMA wies gemeinsam mit Forschern aus Nicaragua und Costa Rica nach, dass viele Anstrengungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zum Erhalt der Biodiversitäts-Hotspots in Mittelamerika wie den UNESCO-Biosphärenreservaten Río Plátano (Honduras) und Bosawas (Nicaragua) ihr Ziel verfehlten, da Naturschutzgelder oft bei Regierungen versickerten und nicht bei den Waldvölkern ankämen.

Die Studie Finance for Forests untersuchte das Ausmaß sogenannter grauer Finanzierung, dh. Investitionen, die eine neutrale, negative oder unbekannte Auswirkung auf Wälder haben. Demzufolge flossen Investitionen von 777 Milliarden US-Dollar von Regierungen, Privatunternehmen und internationalen Gebern seit 2010 in Landnutzung, wogegen lediglich 20 Milliarden Dollar in Waldschutz und Emissionsreduzierung gingen. Die größte Finanzquelle waren private Investitionen in die Landwirtschaft mit über 414 Milliarden Dollar. Auch Regierungen in Entwaldungsländern investierten immense Summen in Abholzung, insbesondere im Agrarsektor, der für mindestens 70 Prozent der globalen Entwaldung verantwortlich sei.

Dennoch erhielten diese Länder seit 2010 etwa 87 Milliarden Dollar Entwicklungsfinanzierung für die Landwirtschaft. Auch öffentliche Investitionen für Wälder fielen im Verhältnis zu ihrem möglichen Klimabeitrag zu gering aus. Demnach wurden von den 167 Milliarden Dollar Entwicklungsfinanzierung zur Klimawandelminderung von Industriestaaten und multilateralen Institutionen seit 2010 nur zwei Prozent in Waldschutz investiert.

Laut der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation The Nature Conservancy müssten sämtliche Investitionen in waldreichen Ländern an Klimaschutzkriterien gebunden werden. Dem Overseas Development Institute (ODI) zufolge sei ein viel höheres Tempo für nachhaltige Investitionen und eine Abkehr von Entwaldungsaktivitäten nötig.

Die Indigenen fordern auf ihrer Tour durch Europa ein Ende der Kriminalisierung und der Gewalt gegen indigene Anführer und Umweltrechtsaktivisten sowie die Titulierung unsicherer Landrechte. Das Recht auf freie, informierte, vorherige Zustimmung indigener Völker bei Entwicklungs- und Naturschutzprojekten müsse respektiert und das traditionelle Wissen der Waldvölker als Beitrag zum Klimaaschutz anerkannt werden. Sie wollen einbezogen werden in die Ausarbeitung und Umsetzung der "national festgelegten Beiträge" der Staaten zur Minimierung der Treibhausgas-Emission sowie direkten Zugang zur Klimafinanzierung haben.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

22.09.2017 Nachricht von Timm B. Schützhofer