Kolumbien: Wegen Massengrab soll Flutung von Stausee verschoben werden

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"wir suchen die Wahrheit über den bewaffneten Konflikt auf unserem Territorium und in der Erinnerung der Opfer"
"wir suchen die Wahrheit über den bewaffneten Konflikt auf unserem Territorium und in der Erinnerung der Opfer"

Medellín. Die Exhumierung von 159 Leichen und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass dort noch viele mehr vorhanden sind, veranlassten Abgeordnete des Europaparlaments dazu, Staatsanwaltschaft und Behörden in Antioquia aufzufordern, die geplante Flutung eines Stausees zu stoppen. Der See liegt in einem Gebiet mit Massengräbern und verstreuten Leichnamen, die vom Fluss angespült und von den Bewohnern der Ufergemeinden bestattet wurden.

Die Flutung des Stausees ist für den 1. Juli vorgesehen. Dieser Vorgang bedeutet, dass hunderte Familienangehörige von Verschwundenen, deren Überreste hier vermutet werden, ihre Angehörigen nicht finden können.

Die 25 Unterzeichner des Bittgesuchs versichern, dass sie seit 2012 Hinweise hinsichtlich wahrscheinlicher Menschenrechtsverletzungen gegen die lokalen bäuerlichen Gemeinden und Opfer des bewaffneten Konflikts erhalten haben.

Die Abgeordneten des Europaparlaments ersuchten den Staatsanwalt Néstor Humberto Martínez, den Gouverneur von Antioquia, Luis Pérez, und den Geschäftsführer der öffentlichen Unternehmen von Medellín, Jorge Londoño, erst dann zu fluten, wenn in dem Gebiet alle Leichen exhumiert sind. Solange sie eine derartige Zusicherung nicht bekämen, sollte die Flutung des Stausees gestoppt werden.

Außerdem wird angemahnt, dass die Gemeinschaften, die nur dank ihrer Erwerbstätigkeit auf dem Cauca-Fluss überleben, bisher weder eine Wiedergutmachung noch eine Entschädigung erfahren hätten. Weil sie die Achtung ihrer Rechte eingefordert haben, seien viele bedroht und verfolgt worden. Die Parlamentarier baten die Behörden um eine umfassende Wiedergutmachung, Entschädigung, Umsiedelung bzw. Schadenersatz für die vom Bauvorhaben betroffenen Familien.

Die Behörden von Antioquia merkten nun an, der Brief sei nicht vom EU-Parlament sondern nur von einzelnen Abgeordneten unterzeichnet. Medellíns Bürgermeister Gutiérrez sagte abfällig, es handele sich lediglich um Abgedordnete, die mit Linksparteien in Europa verbunden sind.

Isabel Cristina Zuleta von der Bewegung "Lebendige Flüsse" erklärte dazu, dass es politische und wirtschaftliche Interessen gebe, die Wahrheit über die Vorgänge in der Region zu verbergen. Dagegen komme es darauf an, das willkürliche Vorgehen der öffentlichen Unternehmen in Medellín, die Missachtung der Rechte der Opfer und die Willkür der staatlichen Stellen bekannt zu machen. Sie verwies darauf, dass die EU-Parlamentarier zum gesellschaftlichen Dialog aufgerufen haben, um weitere Opfer und Schäden zu vermeiden. Bisher seien 500 Familien vertrieben und hunderte Hektar Tropenwald abgeholzt worden, beklagt die Bewegung.

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