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30.07.2015 Kolumbien / Menschenrechte

Exhumierung von Massengrab in Kolumbien begonnen

Menschenrechtsaktivisten auf dem Gelände der Exhumierung in Medellín

Menschenrechtsaktivisten auf dem Gelände der Exhumierung in Medellín

Quelle: telesurtv.net

Medellín. Am Montag hat in Kolumbien die Exhumierung eines der größten städtischen Massengräber der Welt in der Comuna 13, einem marginalisierten und prekären Viertel Medellíns, begonnen. Bis zu 300 Personen werden dort vermutet.

Vor einigen Wochen waren es laut offiziellen Angaben nur bis zu 100 Leichen. Erst auf Zeugenaussagen von Anwohnern und Angaben von ehemaligen Paramilitärführern hin wurden diese Zahlen nach oben korrigiert. Unter den Leichen werden vor allem Körper von bisher als Verschwunden geltenden Personen vermutet. Unzählige Fälle von Verschwindenlassen könnten aufgeklärt werden. Zahlreiche Familien auch aus den angrenzenden Vierteln hoffen, endlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen zu bekommen.

Die Staatsanwaltschaft stellt alleine im Zusammenhang mit der Exhumierung in Medellín Nachforschungen in 95 Fällen von Verschwindenlassen an. Im Kontext des Versprechens derselben Behörde von Anfang Juni 2015, in allen 45.000 landesweit geschätzten Fällen von Verschwindenlassen für Aufklärung zu sorgen, wird dies zumindest als ein Schritt empfunden. In den letzten zehn Jahren sind insgesamt maximal 6.000 Leichen von Verschwundenen exhumiert worden.

Die Exhumierung in Medellín erfordert eine Suche nach Toten auf 3.700 Quadratmetern und soll daher bis zu fünf Monate dauern. Bis zu 24.000 Kubikmeter Schutt, Müll, Zement und Baumaterial müssen weggeräumt und durchsucht werden. An der Grabung sind neben Mitarbeitern der Stadt Anthropologen, Ingenieure, Forensiker und Staatsanwälte beteiligt. Der Innenminister Kolumbiens, Juan Fernando Cristo, unterstützt das Vorhaben: "Ich erwarte, dass alle Beteiligten so lange hart arbeiten, bis auch der letzte Angehörige von Verschwundenen seine Liebsten findet, identifiziert und christlich beerdigen kann."

Weiterhin verspach der Minister, nach Abschluss der Exhumierungen ein Mausoleum an der Stelle des Massengrabes zu errichten.

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