Großmütter des Plaza de Mayo aus Argentinien für Nobelpreis nominiert

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Vertreterinnen der Abuelas de Plaza de Mayo mit ihrer Vorsitzenden  Estella de Carlotto und dem Abgeordneten Daniel Filmus
Vertreterinnen der Abuelas de Plaza de Mayo mit ihrer Vorsitzenden Estella de Carlotto und dem Abgeordneten Daniel Filmus

Buenos Aires. Die argentinische Menschenrechtsorganisation Großmütter des Plaza de Mayo (Abuelas de Plaza de Mayo) ist vom verantwortlichen Komitee zum sechsten Mal auf die Nominierungsliste für den Friedensnobelpreis aufgenommen worden. Der Abgeordnete des Parteibündnisses Front für den Sieg (Frente para la Victoria), Daniel Filmus, schlug die Organisation vor, die sich nachwievor für das Auffinden von Kindern einsetzt, die während der Militärdiktatur (1976-1983) ihren entführten und dann ermordeten Eltern genommen und daraufhin zur gezielten Adoption freigegeben worden waren. Seitdem konnten 127 von ihnen ausfindig gemacht werden.

Die Vorsitzende der Organisation, Estella de Carlotto, die seit den späten 1970er Jahren selbst den Sohn ihrer ermordeten Tochter gesucht und 2014 wiedergefunden hatte, zeigte sich neben vielen weiteren Anwesenden Großmüttern bei der Bekanntgabe der Nominierung am vergangenen Donnerstag bewegt und kämpferisch zugleich: "Es kann keine perfekte Demokratie geben, solange es noch immer Verschwundene gibt." Damit konnte sie sich einen Seitenhieb auf Präsident Mauricio Macri und seine Regierung nicht verkneifen, die seit der Regierungsübernahme des Öfteren versuchte, die Geschehnisse und die Opferzahlen zu relativieren. Die Organisation selbst schätzt, dass um die 500 Kinder während der Diktatur ihren Eltern genommen und an Familien von Offizieren und Unternehmern gegeben wurden.

Carlotto betonte vor der Presse zudem, dass weder die Großmütter noch die Opfer selbst "Hass, Wut oder Rachgier empfinden würden". Anwesend war auch Adriana Garnier Ortolani, die im Dezember vergangenen Jahres als 126. Enkelin gefunden und identifiziert werden konnte. Filmus, der die Nominierung beim Komitee eingereicht hatte, nannte die Organisation "einen fundamentalen Akteur beim Kampf um die Erinnerung, die Wahrheit und die Gerechtigkeit im Zusammenhang mit den Staatsterrorismus, nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene."

Die Organisation ist damit eine von 329 Nominierten für den Friedensnobelpreis, der in jedem Jahr am 10. Dezember in Oslo verliehen wird.

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