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15.06.2018 Venezuela / Politik / Wirtschaft

Angekündigte Währungsreform in Venezuela aufgeschoben

Der Bolívar in Venezuela soll ein paar Nullen verlieren

Der Bolívar in Venezuela soll ein paar Nullen verlieren

Caracas. In Venezuela hat die Regierung von Präsident Nicolás Maduro nach einem Treffen mit der nationalen Bankenvereinigung bekannt gegeben, das Datum für die Reform der Landeswährung Bolívar Fuerte (Bs.F) um zwei Monate aufzuschieben. Ursprünglich sollte am 4. Juni der neue Bolívar Soberano (Souveräner Bolivar, Bs.S) eingeführt werden, um den Auswirkungen der anhaltenden Inflation entgegenzuwirken.

In einer öffentlichen Bekanntmachung forderte die Regierung alle öffentlichen und privaten Finanzinstitutionen auf, die notwendigen technischen Maßnahmen zur Umsetzung der Reform weiter voranzutreiben. Der Bolívar Soberano (Bs.S) soll nach Einführung den seit 2007 gültigen Bolívar Fuerte (Bs.F) ergänzen und langfristig ersetzen. Ein Bolívar Soberano soll für 1.000 Bolívares Fuertes eingetauscht werden können. Durch den inflationären Preisanstieg der letzten Jahre, der sich noch weiter zu steigern droht, sind Bargeldgeschäfte sehr erschwert worden. So braucht man derzeit mehr als 24 der größten Geldscheine des Bolívar Fuerte, den 100.000-Bs.F-Schein, um lediglich ein Kilo Hühnerfleisch zu kaufen.

Der venezolanische Ökonom José Guerra, Mitglied der Finanzkommission der Nationalversammlung und der Oppositionspartei Tisch der Demokratischen Einheit (MUD) nahestehend, kritisierte den Aufschub der Maßnahme bis August. Bei der bestehenden Inflationsrate werde es schon bald wieder nötig sein, neue Scheine zu drucken, was unnötige Ausgaben verursache, so Guerra. Linke Ökonomen wie Manuel Sutherland gehen in ihrer Kritik noch weiter und sehen als grundsätzliche Ursache für die Inflation eine verfehlte Wirtschaftspolitik der sozialistischen Regierung, die sich etwa durch ein ineffizientes festes Wechselkurssystem, kontraproduktive Importsubventionen, mangelnde Produktionsanreize und eine enorme Ausweitung der Geldmenge durch die Venezolanische Zentralbank auszeichne.

Angesichts dieser ökonomischen Kritikpunkte bleibt fraglich, welche Aussicht auf Erfolg die ausstehende Währungsreform haben kann, ohne dass die Regierung zeitgleich ergänzende Maßnahmen trifft, die an die Wurzel der wirtschaftlichen Probleme Venezuelas gehen.

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